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	<title>Unilife oder Kapinski nimmt einen Drink an der Bar</title>
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	<description>Tales from a Writer</description>
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		<title>Unilife oder Kapinski nimmt einen Drink an der Bar</title>
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		<title>vom Ende der Pause</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 23:56:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kapinski</dc:creator>
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		<category><![CDATA[in eigener sache]]></category>

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		<description><![CDATA[und dieses ist nicht in Sicht &#8211; dieser Blog bleibt stillgelegt und ob, bzw. wann und wie ich wieder ein eigenes, solitäres Projekt erzeugen werde &#8211; das bleibt im diffusen Raum zwischen 0:50 und 0:51 verwahrt. Aber einige Projekte, auf &#8230; <a href="http://kapinski.wordpress.com/2012/01/04/vom-ende-der-pause/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kapinski.wordpress.com&amp;blog=6375154&amp;post=1791&amp;subd=kapinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>und dieses ist nicht in Sicht &#8211; dieser Blog bleibt stillgelegt und ob, bzw. wann und wie ich wieder ein eigenes, solitäres Projekt erzeugen werde &#8211; das bleibt im diffusen Raum zwischen 0:50 und 0:51 verwahrt.</p>
<p>Aber einige Projekte, auf die ich &#8211; zugegebenermaßen auch in eigener Sache &#8211; hinweisen möchte; und sei dies nur der Vollständigkeit halber.</p>
<p>1.) <a href="http://stuekkwerk.wordpress.com/">Ein vielversprechender Autor</a></p>
<p>2.) <a href="http://albannikolaiherbst.twoday.net/">Einer der besten deutschsprachigen, literarischen Blogs</a></p>
<p>3.) Einige <a href="http://guidorohm.wordpress.com/category/markus-michalek/">Shortstories</a>, die nach der Stilllegung von &#8222;kapinski nimmt einen drink an der bar&#8220; entstanden sind &#8211; leider ist auch dieses Projekt zugunsten eines anderen, aber<a href="http://wortbruchstellenverursacher.wordpress.com/"> ebenfalls sehr vielsprechenden</a> stillgelegt.</p>
<p>4.) <a href="http://parsimonie.de/">ds prnzp dr sprsmstn rklrng</a> - gewissermaßen eine Art Nachfolgeprojekt von diesem hier, eine in München gegründete Zeitschrift für Literatur und Essayistik Wenn auch nicht im Alleingang, sondern mit guten Freunden und Kollegen.</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/kapinski.wordpress.com/1791/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/kapinski.wordpress.com/1791/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/kapinski.wordpress.com/1791/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/kapinski.wordpress.com/1791/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/kapinski.wordpress.com/1791/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/kapinski.wordpress.com/1791/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/kapinski.wordpress.com/1791/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/kapinski.wordpress.com/1791/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/kapinski.wordpress.com/1791/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/kapinski.wordpress.com/1791/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/kapinski.wordpress.com/1791/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/kapinski.wordpress.com/1791/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/kapinski.wordpress.com/1791/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/kapinski.wordpress.com/1791/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kapinski.wordpress.com&amp;blog=6375154&amp;post=1791&amp;subd=kapinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>in eigener sache</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Jul 2010 12:01:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kapinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[in eigener sache]]></category>

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		<description><![CDATA[warum gerade eben jetzt? warum nicht? fast drei jahre lang hat mich dieser blog begleitet, ich habe viel gelernt, vieles erfahren – diese plattform war eine nette spielerei zum analogen schreiben und eine gewissenhafte ablenkung, ich habe das sehr genossen. &#8230; <a href="http://kapinski.wordpress.com/2010/07/28/in-eigener-sache-3/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kapinski.wordpress.com&amp;blog=6375154&amp;post=1773&amp;subd=kapinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>warum gerade eben jetzt?</p>
<p>warum nicht?</p>
<p>fast drei jahre lang hat mich dieser blog begleitet, ich habe viel gelernt, vieles erfahren – diese plattform war eine nette spielerei zum analogen schreiben und eine gewissenhafte ablenkung, ich habe das sehr genossen.</p>
<p>es heißt oft, dass man gehen soll, wenn es am schönsten ist. die literarische kunstfigur <em>kapinski </em> hat ausgedient – sie geht in den verdienten ruhestand, nach acht jahren.</p>
<p>frühe zeugnisse auf <a href="http://www.jetzt.de">jetzt.de</a> (2002 &#8211; 2005), zu einer zeit, als tagebuchschreiber noch von der redaktion freigeschalten werden mussten, sind nicht mehr vorhanden, ich hätte sie sonst der vollständigkeit halber hier noch eingestellt.</p>
<p>spätere mögliche erzeugnisse dieser figur werden ggf. in anderer form erscheinen. links zu freunden oder family, ebenso die blogroll werden immer gern aktualisiert (ich bitte an dieser stelle um mails, sollte ich es vergessen. betreffende wissen ohnehin, wie sie mich erreichen können) ebenso gewisse listen, die der vollständigkeit halber ab und an up-to-date gebracht werden.</p>
<p>ich werde nicht mehr unter dem namen <em>kapinski </em>auftreten, ich werde bis auf wenige ausnahmen nicht mehr unter dem namen <em>kapinski </em>schreiben.</p>
<p>dass ich weiter schreiben werde, weiter publizieren und auf lesungen ein paar worte in den raum werfen werde, steht außer frage; es ist noch viel zu früh, eine treppe im tucholskyschen sinn zu verfassen – zu viele worte sind noch ungeschrieben, ungesagt, ungelesen, ungehört.</p>
<p><strong>an dieser stelle einen <a href="http://www.bayernbuch.net/Blog/?p=48">herzlichen dank an meine leser</a></strong><a href="http://www.bayernbuch.net/Blog/?p=48">,</a> manche davon habe ich persönlich kennengelernt, andere werde ich vielleicht nie kennenlernen.</p>
<p>ein autor kann nie entscheiden, wem er seine worte gibt, selbst wenn er vielleicht zeitweise anderer meinung ist.</p>
<p>die nächsten zwei, drei wochen werde ich damit verbringen, auf andere literarische blogs in form eines artikel updates hinzuweisen. immerhin gibt es genug unkraut und gutes kraut im digitalen garten eden der literatur, das es wert ist, gelesen zu werden.</p>
<p>in diesem sinne</p>
<p><a href="http://kapinski.wordpress.com/2007/11/">bon voyage</a>, münchen, den 28.7.2010.</p>
<p><a href="http://kapinski.files.wordpress.com/2010/07/unterschrift_digital.jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-1775 alignleft" title="Unterschrift_digital" src="http://kapinski.files.wordpress.com/2010/07/unterschrift_digital.jpg?w=150&#038;h=59" alt="" width="150" height="59" /></a>
<p><em>nachtrag</em> (denn ich schreibe nachträge für mein leben gern), damit möchte ich schließen.<br />
aus dem zyklus &#8222;to sp(ea)k&#8220;</p>
<p><em>Makulatur (in gedanken an ingeborg bachmann – eine art verlust)</p>
<p>Es ist wieder passiert, egal welcher monat, auch </p>
<p>datum/tagesstunde/nachtstunde/minute/sekunde, sucht nur der zeitpunkt aus; richtig wird er nie getroffen werden, es wandern fort: worte, fotos, briefe, gedächtnisfilmrollen, schmerz und gegenschmerz. Und zeiten, die eben vergangen sind, alles gemeinsam verbrauchte, nur manchmal, </p>
<p>erzählt der wind davon. Von liebe darf nicht mehr gesprochen werden. stattdessen, gegenmaßnahme: ego-häutung. aber später, aufgehobenes, nicht weggeworfen: portionsweise danach greifen,<br />
sich wieder erinnern – menschenbestimmung, längst nicht die einzige. verlorenes bleibt niemals ungefunden.</em> </p>
<p>
<strong>UPDATES &#8211; LESENSWERT</strong></p>
<p><a href="http://www.facebook.com/photo.php?pid=1326135&amp;id=1455910087&amp;ref=fbx_album#!/photo.php?pid=1371101&amp;id=1455910087&amp;ref=fbx_album&amp;fbid=1518713055206">Nadaville</a> (drei Münchner Autorinnen)</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/kapinski.wordpress.com/1773/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/kapinski.wordpress.com/1773/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/kapinski.wordpress.com/1773/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/kapinski.wordpress.com/1773/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/kapinski.wordpress.com/1773/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/kapinski.wordpress.com/1773/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/kapinski.wordpress.com/1773/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/kapinski.wordpress.com/1773/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/kapinski.wordpress.com/1773/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/kapinski.wordpress.com/1773/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/kapinski.wordpress.com/1773/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/kapinski.wordpress.com/1773/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/kapinski.wordpress.com/1773/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/kapinski.wordpress.com/1773/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kapinski.wordpress.com&amp;blog=6375154&amp;post=1773&amp;subd=kapinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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	</item>
		<item>
		<title>vom boden unserer kammern goes deep throat</title>
		<link>http://kapinski.wordpress.com/2010/07/20/vom-boden-unserer-kammern-goes-deep-throat/</link>
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		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 13:25:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kapinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[lesearbeit]]></category>
		<category><![CDATA[München]]></category>

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		<description><![CDATA[ausnahmsweise, weil einmal immer das erste mal ist, stelle ich einen auf einer lesung vorgetragenen text online. einen herzlichen dank an die mitlesenden: katharina höhendinger, elias kreuzmair und marold langer-philippsen, ebenso an f. bross und die crew vom giesinger hafen. &#8230; <a href="http://kapinski.wordpress.com/2010/07/20/vom-boden-unserer-kammern-goes-deep-throat/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kapinski.wordpress.com&amp;blog=6375154&amp;post=1762&amp;subd=kapinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>ausnahmsweise, weil einmal immer das erste mal ist, stelle ich einen auf einer lesung vorgetragenen text online.</p>
<p>einen herzlichen dank an die mitlesenden: katharina höhendinger, <a href="http://schiessenbaby.wordpress.com/">elias kreuzmair</a> und <a href="http://ml-philippsen.org/">marold langer-philippse</a>n, ebenso an <a href="http://derabstand.wordpress.com/2010/07/19/vom-boden-unserer-kammern-goes-deep-throat/">f. bross</a> und die crew vom <a href="http://puerto-giesing.de/">giesinger hafen</a>.</p>
<p><em>zwanzig fragmente pornographi</em>e, gelesen am 19.7.2010 in der kantine von puerto giesing.</p>
<p>Eins</p>
<p>Irgendwann ist jeder fällig.</p>
<p>Zwei</p>
<p>Trinken will ich dich hart ausschlecken deine Milch damit kein Tropfen verloren geht vom guten Gesöff das aus deinem Brunnen fließt über dem ich gierig mit meinem Mund hänge wie andere an der Nadel.</p>
<p>Drei</p>
<p>Geilheit war nie der Weg des geringsten Widerstands.</p>
<p>Vier</p>
<p>Auf dem Bett lag ich, meine Augen geschlossen und dennoch sah ich sie, wie sie sich über mich beugte, mit ihrem Mund näher kam, ihre  Wärme und ihr festes, gleichzeitig weiches Fleisch, das sich um mich schloss. Für ihren straff gespannten Beckenboden war ich den gesamten Ritt über dankbar erregt, ihre Hände, auf meinem Brustkorb abgestützt. Ihre Augen, mit diesem unverwechselbaren Blick, der sich um ihre Pupillen sammelte, während sie auf dem Weg zu ihrem Höhepunkt war; sie biss sich leicht in den Handballen, um nicht zu laut zu stöhnen, ich legte ihr meine Hand übers Gesicht, sanft. Zog sie herunter zu mir und schloss meine Arme um sie, spürte ihren Puls und die weichen Kissen ihrer Brüste, die gegen meine Haut drückten. Auf dem Bett lag ich und dachte an Momente wie diesen, bis es nicht mehr möglich war – ich bin mit einem kleinen Schrei gekommen, ich wünschte es wäre ihre wunderschöne Möse gewesen, die meinen Samen in sich aufgenommen hätte und nicht mein nackter Bauch. Eine Zeitlang blieb ich noch schwer liegen, bis ich mich erhob, die Sonne drang durch das Rollo, aus dünnen Bambusstangen bestehend.</p>
<p>Fünf</p>
<p>Ich bin ein Stier mit einem geilen Herz. (und einem Schwanz am rechten Fleck)</p>
<p>Sechs</p>
<p>Gestern war ein pathetischer, leidenschaftlicher Tag. Lese ich, was ich gestern geschrieben habe, weiß ich, dass ich selten ehrlicher war. Oder mehr gelogen habe. Alles nur eine Frage des Standpunkts. Das Hauptproblem unserer Zeit: die latente Mittelmäßigkeit der meisten Menschen. Das ist so unsexy, so unporno, so verdammt normal.</p>
<p>Sieben</p>
<p>Gabriele und ich kennen uns lang, vielleicht zu lang, um uns je wieder zu trennen, selbst wenn mir die Worte ausgehen, oder ihr das Farbband. Sie hat sich den Platz in meinem Leben hart erkämpft, mein treues Weib, die einzige die ich nie betrogen habe, die einzige, die mir immer bleiben wird. Ich habe sie mit meinen Fingern beschlafen, mit meinem Geist, aber nie mit meinem Geschlecht. Und brav bezahl ich meine Schulden, nach jedem Gedicht, das ich auf ihr geschrieben habe.</p>
<p>Acht</p>
<p>Zwischen dem Heute und Gestern, vielleicht auch dem Morgen, geschieht es, dass zwei Menschen in ihrem Leben unvermittelt innehalten – als hätte etwas im Vorübergehen an ihnen gerührt.</p>
<p>Neun</p>
<p>Fuck you and fuck with me, habe ich einmal auf einen orangen DIN A4 Bogen 180 Gramm dicken Papiers geschrieben, darunter zwei Kondome geklebt, Marke durex, Sensitiv und dieses Blatt einer jungen, ziemlich hübschen Frau gegeben. Geholfen hat es nicht.</p>
<p>Zehn</p>
<p>In einem Verbot liegt manchmal alles verborgen: das Neuland einer Sternenrosette, aufgebrochen und entdeckt, etwas Ganzes gewollt und mit nichts geendet.</p>
<p>Elf</p>
<p>Hineinschrauben, hineinstopfen, sich darin verhaken. Gefangen sein.</p>
<p>Zwölf</p>
<p>„<em>Ich habe, glaube ich, in meinem ganzen Leben nur einen einzigen pornographischen Film gesehen. Er hatte den entzückenden Titel Soeur Vaseline. Man sah eine Nonne in einem Klostergarten mit einem Gärtner schlafen, der es seinerseits mit einem Mönch trieb, bis sich alle zu einer Nummer zu dritt zusammenfanden.</em>“ (Aus:Luis Bunuel, Mein letzter Seufzer, Erinnerungen, Lebensbilder) Der Besuch in einem Pornokino erfordert die genaue Planung der Mitnahme mindestens eines Päckchens Taschentücher. Außerdem Oropax.</p>
<p>Dreizehn</p>
<p>„Sex macht Spaß, weil Frauen einen verdeckten Eisprung haben und Männer deshalb ständig wollen“ – ein Auszug aus der evolutionsbiologischen These zur menschlichen Sexualität eines Mannes namens Jared Diamond.</p>
<p>Vierzehn</p>
<p>Sie taten es oft, viel und fast überall – aber nie im Vatikan, oder auf einer Parkbank in der Stadt. Auch der Louvre blieb bisher verschont, sie waren schließlich nie dort gewesen. Dabei würde sie zu gern den ewigen, in Stein gehaunen Kuss nachstellen, um zwischen Bildern, Marmor, Mauern, (und einem wütenden Wachmann, der sie nicht finden wird), ein paar Schweinereien hinzulegen, vielleicht auch, um endlich ein Kind zu empfangen, des Zufalls halber.</p>
<p>Jeder besitzt seine eigene Vorstellung vom Koitus – manchmal stellt sich im hilflosen Herumgeschiebe heraus, dass lediglich eine sterile Körperharmonie vorliegt – manchmal aber stellt sich auch das Beste heraus – der eigene private Porno. Ein Risiko. Und dennoch lassen wir uns immer wieder darauf ein.</p>
<p>Fünfzehn</p>
<p>Im Leben mit möglichst vielen verschiedenen Frauen zu schlafen, war nie mein Ziel. Es hat sich halt so ergeben, sagt ein Mann. Und eine gibt es, die vergisst man nicht, die fickt dich, antwortet ein Anderer.</p>
<p>Sechzehn</p>
<p>Ich benütze ein Stilmittel wie ein Kondom. Ich stülpe es mir über, danach werfe ich es weg und ersetze es durch ein neues.</p>
<p>Siebzehn</p>
<p>Später bemerkte ich, dass an meinem Schwanz ein Rest Sperma klebte, ein Rest <em>Sie</em>. Sofort wurde ich wieder hart, dachte an den Nachmittag und die Erregung, mit der ich durch die Innenstadt gefahren war. Vorbei am alten Karlsplatz, der Nachmittag regengrau verhangen, mühsam zog ich ein Bein an und stellte es hoch, wollte anderen Fahrgästen nicht zeigen, was mit mir geschah – wollte das Pochen für mich behalten. Als wäre ihre Hand bereits dabei, langsam an meinem Körper entlang zu streichen, mir ungeduldig den Gürtel zu öffnen, begierig darauf, dass ich ihr entgegen sprang – ich wollte das für mich behalten. Der Nachmittag zog vor dem Fenster vorbei, wir sprachen, fühlten dem Erlebten hinterher, beschlossen, etwas Neues zu versuchen. Ich fragte sie nach dem Genuss, sie sagte „gut, hat mir gefallen“, ich wusste, das nächste Mal würde ich ein wenig tiefer in sie eindringen, immer noch langsam, vorsichtig; ihr genug Freiraum lassen, mir entgegen zu kommen. Wurde abrupt von der fast schmerzlichen Lust übermannt, sie auf den Bauch zu drehen, und wusste doch: nein, ich würde warten. Ich bat darum, sie nach einem Bild in meinem Kopf fesseln zu dürfen, sie sagte „ja“, ich antwortete, „nicht mehr heute“, sie lächelte, „nein, nicht mehr heute &#8230;“ und die Lust in mir wuchs.</p>
<p>Warten auf den Moment. Als ich ging, gab sie mir einen schnellen, kurzen Kuss und kniff mir fest in den Hintern  und ich, leichtfüßig den Weg zurück, den ich gekommen war; immer noch hitzig und doch matt zugleich, dem Abend entgegen, bald würde es dämmern.</p>
<p>Achtzehn</p>
<p>Worauf es beim Blasen wirklich ankommt – wenn die Bewegung des Kopfes einer heftig stampfenden Kolbenstange gleicht, kann es nur schlimm enden.</p>
<p>Neunzehn</p>
<p>Immer wieder finde ich in meinen alten Tagebüchern die Selbstakte vergangener Frauen. Ein richtiges Kuriositätenkabinett ist das, irgendwie und auch schön, rührselig fast.</p>
<p>Zwanzig</p>
<p>In freier Anlehnung an Andreas Neumeister: Sex und Pop sind zwei elementare Bestandteile des Lebens. Nicht um sonst existiert das Wort „Poppen“.</p>
<p><a href="http://kapinski.files.wordpress.com/2010/07/foto.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1766" title="Foto" src="http://kapinski.files.wordpress.com/2010/07/foto.jpg?w=500&#038;h=375" alt="" width="500" height="375" /></a></p>
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		<title>gelegenheitsprosa &#8211; une plaisanterie rabelaisienne</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Jul 2010 10:52:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kapinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[gelegenheitsprosa]]></category>

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		<description><![CDATA[kryptisch1: das ist nach der nacht, wenn gegen fünf uhr morgens wie seit jahren schon die straßenreinigung ihre arbeit vor dem fenster aufnimmt und der morgen seines schönes gesicht ins zimmer schiebt; vor jahren hing an der hausmauer noch die &#8230; <a href="http://kapinski.wordpress.com/2010/07/16/gelegenheitsprosa-une-plaisanterie-rabelaisienne/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kapinski.wordpress.com&amp;blog=6375154&amp;post=1760&amp;subd=kapinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>kryptisch1: das ist nach der nacht, wenn gegen fünf uhr morgens wie seit jahren schon die straßenreinigung ihre arbeit vor dem fenster aufnimmt und der morgen seines schönes gesicht ins zimmer schiebt; vor jahren hing an der hausmauer noch die alte reklame eines möbelladens, sie flackerte nicht mehr, die lampen im inneren der buchstaben waren längst abgebrannt, vielleicht auch nur entfernt worden, aber diese buchstaben blieben und erhielten ihre bedeutung jeden tag von neuem, bis irgendwann &#8230;</p>
<p>Täglich1: in den straßen, die heiß von der sonne beschienen, ihr netz durch das leben vieler menschen ziehen, riecht es nach asphalt, nach brandigen herzen und schweißüberströmten körpern, die irgendwie nach abkühlung suchen.</p>
<p>kryptisch2: egal ob abends, morgens, tagsüber oder nachts, da waren menschen, die offen ihre lebensfreude vor sich her schoben, da sind menschen, die offen ihre trauer vor sich herschieben, da sind drei worte, die inflationär gebraucht wurden und längst nicht mehr sind, was sie einmal waren, nur noch eine floskel und werden augen erst geöffnet, bleibt hinter dem geräusch von worten, nur leere, denn worte sind zeichen, sind austauschbar und manchmal, sind es menschen auch, selbst wenn es anders sein sollte, könnte, vielleicht –</p>
<p>täglich2: eine frau geht eine belebte straße entlang, sie besitzt einen leichten schritt, trägt ein sommerkleid, hat schöne beine und ein trauriges herz; ihr auftreten eines, das männer dazu verführt, ihr kurz hinterher zu sehen und sich zu fragen, was wäre wenn, ja was wäre wenn, knapp nur im vorübergehen; aber diese frau hat ihren kopf gesenkt, im inneren; sie weicht den blicken anderer menschen aus, nur manchmal, da lässt sie einen zu, einen blick, der für einen kurzen moment in sie dringt, ehe sie sich abwendet – es könnte allerdings auch ein mann sein, der so geht, so lebt. aber vor allem ist es meist ein mensch, sind es zu viele menschen, die in ihrem leben den blick abwenden.</p>
<p><em>freiheit war nie der weg des geringsten widerstands. </em></p>
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		<item>
		<title>(keine) gelegenheitsprosa &#8211; dahlia sagt, ich sage X &#8211; abgesang auf dahlia</title>
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		<pubDate>Fri, 02 Jul 2010 12:45:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kapinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[gelegenheitsprosa]]></category>

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		<description><![CDATA[was Dahlia und ich zuvor gesagt haben. Dahlia schweigt. Diese Worte gehören Rodeck. Ich sage, weil ich es besser weiß: Rodeck erwacht, endlich. An einem Mittwochabend treibt Rodeck die Straßen entlang, seine Schritte folgen keinem bestimmten Muster. Er verbringt etwa &#8230; <a href="http://kapinski.wordpress.com/2010/07/02/keine-gelegenheitsprosa-dahlia-sagt-ich-sage-x-abgesang-auf-dahlia/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kapinski.wordpress.com&amp;blog=6375154&amp;post=1753&amp;subd=kapinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kapinski.wordpress.com/2010/06/20/keine-gelegenheitsprosa-dahlia-sagt-ich-sage-ix/">was Dahlia und ich zuvor gesagt haben.<br />
</a><em> </em></p>
<p><em>Dahlia schweigt. Diese Worte gehören Rodeck. </em></p>
<p><strong>Ich sage, </strong><em>weil ich es besser weiß: Rodeck erwacht, endlich. </em></p>
<p>An einem Mittwochabend treibt Rodeck die Straßen entlang, seine Schritte folgen keinem bestimmten Muster. Er verbringt etwa eine Stunde damit, zwischen zwei Brücken am Fluss hin und her zu gehen und dabei das Wasser zu beobachten, das an ihm vorüber fließt. Weshalb bin ich eigentlich hier, fragt er sich zwischendurch und lächelt, als er anstelle einer Antwort nur drei kleine Punkte in seinem Kopf auftauchen sah. Drei Punkte am Ende eines Satzes. Was war geschehen? Wer bin ich, aber ich weiß doch wer ich bin. Rodeck, der tot geglaubte und immer noch recht Lebendige. Gehend. Sich bewegend. Durchlebe ich mein Leben in einem Rücklauf oder warte ich auf eine Gelegenheit, der ich mit Vorbereitung begegnen könnte, denn es gibt doch keinen Zufall, murmelte er leise vor sich hin. Nein, ich lebe in der Gegenwart, sagt er laut. Ich denke, ich sollte jetzt endlich ins Kino gehen. Zielstrebig beschleunigt er seinen Gang, hinüber über die Brücke, um die Ecke, ein paarhundert Meter an Häusern entlang und dann ist er da. Hier war ich früher oft, wieso habe ich eigentlich damit aufgehört? Überrascht bleibt er stehen. Vor der großen gläsernen Fassade drängen sich Menschen, Blitzlichtgewitter. Über dem Eingang hängt ein Banner, „Zurück nach Marrakesch“, liest Rodeck laut. Er macht einen Schritt nach vorn, drängt sich an den Wartenden vorbei, passiert die Mauer aus Fotographen, aus Reportern. In eben dem Moment, als sich die Türe schließt, sieht er noch dunkle Schemen hinter dem Glas. „darf ich“, sagt er bestimmt und als wäre es selbstverständlich geht er auf die Tür zu. Er öffnet sie, zwei Männer stellen sich ihm in den Weg. „Haben sie eine Einladung“, fragen sie ihn. „Ich stehe auf der Liste“, er lügt dreist, „wie ist ihr Name?“ – „Rodeck“. Er weiß, dass sie ihm nicht glauben werden, aber, ich will es wenigstens versuchen. Ich will leben. Bewusst. Tun, was ich möchte. Auf eine Premierenfeier gelangen, ohne eingeladen zu sein, Stunden am Fluss spazieren zu gehen. Einen Film zu sehen. Einfach zu leben, ohne die Angst zu vergessen. Zu träumen. Sie werden sich wieder erinnern, wenn sie beginnen in der Gegenwart zu leben, hört er Kuros zu ihm sagen, sie werden wieder alles spüren. Wissen, wann sie schlafen, wissen, dass sie wach sind und wissen, dass alles, was passiert, echt ist. Sie haben Glück Rodeck, wissen sie das? Er hatte den Kopf geschüttelt, nein, das weiß ich nicht. Sie haben Glück Rodeck, gehen sie nach Hause. Wenn sie denken, sie brauchen mich, rufen sie mich an. Aber jetzt kann ich auf meinen Bericht nur schreiben, Gesund. Er hatte ihm zugenickt. Ich wünsche ihnen alles Gute, und ihm die Hand gedrückt. Rodeck hatte noch einen Moment gezögert, aber als er Kuros in die Augen sah, spürte er, dass nur Ehrlichkeit in Ihnen lag. Ehrlichkeit und Mitgefühl. Ich danke ihnen, sagte er, dann ging er. Als er das Gebäude verließ und in die Mittagssonne hinaustrat, hielt er inne. Er atmete tief ein, wieder aus, ein. Ich bin also gesund, hatte er gedacht und auf seinem Gesicht breitete sich ein Lächeln aus, dessen Ursprung nur er kannte. Aber etwas hatte sich verändert, denn er blickte die Menschen an, die ihm entgegenkamen und manche lächelten zurück. Ziellos ging er umher, am Fluss spazieren, er saß zwei, vielleicht drei Stunden in einem Cafe. Dann kehrte er an den Fluss zurück. Es ist September, es ist Herbst, es ist Mittwoch und ich werde heute Abend ins Kino gehen.</p>
<p>„Sie stehen nicht auf der Liste“, sagt der eine der beiden. „Gehen sie bitte“. Rodeck lächelt. Es ist nicht wichtig, ob ich auf einer Liste stehe, oder nicht, das weiß er. Die beiden Männer treten einen Schritt auf ihn zu. Bitte gehen sie, wiederholt der Andere. Rodeck bewegt sich nicht.</p>
<p>„Er muss auf keiner Liste stehen“ sagt eine Stimme dahinter.</p>
<p>„Er muss auf keiner Liste stehen, denn er gehört zu mir“ Rodeck erstarrt, er kennt diese Stimme. Monate hat er sie nicht mehr gehört. Er sieht, wie die beiden Männer zur Seite treten.</p>
<p>Dahlia.</p>
<p>In einem cremefarbenen Abendkleid. „Hallo Rodeck“, sagt sie, „komm“.</p>
<p>Träume ich, oder bin ich wach, fragt sich Rodeck. Sie hat mir ihre Hand entgegengestreckt. Wenn ich sie jetzt ergreife, und dann erwache, feststelle, dass ich zu Hause in meinem Bett liege, oder, auf einer Bank sitze, in einem Cafe, oder mich an irgendeinem anderen Platz befinde, nur nicht hier, dann ist es vorbei. Aus und vorbei. „Du siehst wundervoll aus“, sagt er. „Träume ich, oder bin ich wach, Dahlia?“</p>
<p>„Ach Rodeck“ und sie streichelt vorsichtig über sein Gesicht, dann greift sie nach seiner Hand, „mein unverbesserlicher Rodeck, ich musste doch fort. Arbeiten. Dich gesund werden lassen. Komm“</p>
<p>Er schließt die Augen. Ihre Hand fühlt sich warm an. Weich. Wie ich sie zuvor gefühlt habe, er lässt sich von ihr ziehen. Als würde sie sein Zögern spüren, seine unsicheren Schritte, verlangsamt sie ihre Schritte. Ich habe dich vergessen, möchte er sagen. Sie drückt seine Hand fester. „Das ist Rodeck“, hört er sie sagen.</p>
<p>Er schlägt die Augen auf und sieht.</p>
<p><strong>Ich sage,</strong> <em>weil ich es besser weiß, Rodeck erwacht. Eine Alternative, wie es im Leben öfter geschehen mag. Ein Abgesang auf Dahlia</em></p>
<p>An einem Mittwochabend trieb Rodeck die Straßen entlang, unbeirrt und unbewusst, seine Schritte folgten keinem bestimmten Muster. Er verbrachte etwa eine Stunde damit, zwischen zwei Brücken am Fluss hin und her zu gehen und dabei das Wasser zu beobachten, das an ihm vorüber floss. Weshalb bin ich eigentlich hier, fragte er sich zwischendurch und lächelte, als er anstelle einer Antwort nur drei kleine Punkte in seinem Kopf auftauchen sah. Drei Punkte am Ende des Satzes. Was war geschehen? Wer bin ich, aber ich weiß doch wer ich bin. Rodeck, der tot geglaubte und immer noch recht Lebendige. Gehend. Sich bewegend. Durchlebe ich mein Leben in einem Rücklauf oder warte ich auf eine Gelegenheit, der ich mit Vorbereitung begegnen könnte, denn es gibt doch keinen Zufall, murmelte er leise vor sich hin. Das und noch anderes.</p>
<p>Dann, irgendwann, bleibt er stehen. Ich denke, ich sollte ins Kino gehen, habe ich lange nicht mehr gemacht. Zielstrebig dreht er sich auf dem Absatz um und beschleunigt seinen Gang, hinüber über die Brücke, um die Ecke und dann ist er da. Hier war ich früher oft, wieso habe ich eigentlich damit aufgehört? Als er den kleinen Vorraum betritt, fällt sein Blick nicht als erstes auf das Programm, nein, er atmet den Geruch ein, Popcorn, alte Teppiche und die Erwartung großer Dramen lassen ihn lächeln. Langsam nähert er sich der mit den aktuell laufenden Filmen beschriebenen Plakatwand. Hollywoodstreifen, ein Kinderfilm und „Zurück nach Marrakesch“. Ich mag diesen Titel, spürte er in sich, wie oft wollte ich selbst dorthin fahren, dachte sich. Wie oft habe ich einen bereits halb gepackten Koffer wieder entleert, weil mir die Konsequenz meiner Handlung fehlte. Mich stattdessen ans Fenster gesetzt, die Augen geschlossen und vorgegeben zu schlafen. Im Traum von einem anderen Leben geträumt. Träumst du jetzt oder bist du wach, Rodeck? Also zurück nach Marrakesch seufzte er und holte sich eine Karte. Als er den Saal betrat befiel ihn ein unangenehmes, erdrückendes Gefühl, denn niemand war hier, niemand außer ihm. Träumst du schon wieder Rodeck, tauchte dieser Satz in seinem Kopf auf. Er unterdrückte den ersten Impuls, der ihm signalisierte, den Rückzug anzutreten, nein, diesmal fahre ich wirklich nach Marrakesch und sei es nur für zwei Stunden, und sei es nur auf einer Leinwand. Er setzte sich in die Mitte und begann zu warten, es sei noch früh, hatte die Studentin an der Kasse zu ihm gesagt, aber er könne sich gerne im Saal warten, wenn er wolle. Ohne zu wissen warum, hatte Rodeck dankbar genickt. Er legte den Kopf in den Nacken und schloß sie Augen. Die Hände hielt er auf seinen übergeschlagenen Knien gefaltet und dann lauschte er. Wartete. Auf die Anderen? Nein, ich bin wach, wusste er, instinktiv, ich bin wacher, als ich es vielleicht die letzten Jahre war. Langsam begann sich der Saal mit Menschen zu füllen und Rodeck spürte Freude in sich aufsteigen. Freude über den Platz in der Mitte und das Gefühl, unter Menschen zu sein, alles bewusst wahrzunehmen und sich nicht mehr zu fragen, wie es denn nun eigentlich sei, das Leben. Als das Licht ausging und der Vorhang ein letztes Mal zu und wieder aufgegangen war, die Werbungsclips und Filmtrailer waren längst gespielt, wusste Rodeck, gleich würde etwas Außergewöhnliches passieren. „Zurück nach Marrakesch“ flimmerte in einer Hommage der weißen, in leicht abgekratzte Buchstaben verpackte Titel aus dem Schwarz der Leinwand auf die Wartenden herab. Schritte waren zu hören, nicht übermäßig laut, aber es handelte sich deutlich um den Gehrhythmus eines Menschen.</p>
<p>Ich bin auf dem Weg zurück nach Marrakesch, begann eine Stimme zu sprechen, Rodeck erstarrte.</p>
<p>Ich bin auf dem Weg zurück nach Marrakesch, in ein Cafe, in dem alles begann, wiederholte die Stimme. Die Erinnerung brach aus dem Nichts über ihn herein und Rodeck war nun wirklich wach, hellwach, wacher, als er es je nochmals für möglich gehalten hatte. Dahlia. Es war untrüglich ihre Stimme und in einem Moment der Klarheit fragte er sich, ob er nun endgültig wahnsinnig geworden war. Dort werde ich meinem Schicksal ins Auge blicken und es herausfordern, sagte Dahlia. In Marrakesch, in einem kleinen Eckcafe, wo alles begann. Langsam ging das Bild in eine Gangway über, und ihre Füße stiegen die Stufen hinab. Die Kamera fuhr genüsslich an ihren Beinen entlang, näherte sich ihrem Profil über die linke Schulter. Rodeck glaubte, er könne die Hitze des Sandes spüren, der das Bild umgab und sich langsam immer weiter rieselnd auf seine Zunge legte.</p>
<p>Oh Dahlia, wo ist mein letzter Satz geblieben fragte er sich.</p>
<p>***</p>
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		<title>gelegenheitsprosa &#8211; drei wahrheiten aus dem leben eines menschen &#8211; teil eins</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 15:20:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kapinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[gelegenheitsprosa]]></category>

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		<description><![CDATA[1. Wahrheit: ist es der wind, oder sind es die blätter, die sich bewegen? dummkopf, es ist dein herz. Mark wacht auf, es ist vormittags, die Sonne bereits hell und hoch am Himmel, in seinem Bett herrscht Leere, denn es &#8230; <a href="http://kapinski.wordpress.com/2010/07/01/gelegenheitsprosa-drei-wahrheiten-aus-dem-leben-eines-menschen-teil-eins/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kapinski.wordpress.com&amp;blog=6375154&amp;post=1751&amp;subd=kapinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1. Wahrheit: ist es der wind, oder sind es die blätter, die sich bewegen? dummkopf, es ist dein herz.<br />
Mark wacht auf, es ist vormittags, die Sonne bereits hell und hoch am Himmel, in seinem Bett herrscht Leere, denn es ist niemand hier außer ihm. Er wischt verschlafen die Augen, weiß nicht, was passiert gestern, vorgestern, oder vorvorgestern? ER weiß, dass es gut ist, dass in seinem Bett Leere herrscht, denn nur wo Leere ist, bleibt auch ein Platz, der gefüllt werden kann.Wenn es das Herz ist, dass sich bewegt, was passiert, wenn es aufhört zu schlagen? Verebbt dann der Wind?</p>
<p>2. Wahrheit: die menschen kennen ihre zukunft nicht, aber sie lernen sich selbst kennen.<br />
Mark geht an den Museen spazieren, langsam, Schritt für Schritt, den Kiesweg entlang, er sieht Hunde, ihre Besitzer, sieht Paare, die sich eng umschlungen halten, sieht Paare, zwischen denen Abstand herrscht, aber ein Paar sind diese Menschen dennoch, unverkennbar, denn es ist nicht wichtig, ob man sich eng umschlungen hält, oder Abstand zeigt, solange da ein Mensch ist, der weiß, da ist ein anderer Mensch. Er sieht ein Paar, dass einen Federball über die Wiese schlägt und erinnert sich daran, dass selbst einmal gewollt zu haben – so, wie es war, in den Kindertagen. Er setzt Schritt vor Schritt vor Schritt und atmet tief ein und aus, Schritt vor Schritt vor Schritt bis er irgendwann überrascht bemerkt, dass er zu lächeln begonnen hat.Dass es das Herz ist, das sich bewegt und dass es die Leere ist, die gefüllt werden kann, aber wo kein Platz ist, kann nichts gefüllt werden und dass es gut ist, wenn er alleine diesen Kiesweg entlang geht, lächelnd, Schritt für Schritt für Schritt, weil irgendwie die Leere von ihm abfällt, der Platz, den er gefüllt haben wollte. Es ist das Herz das sich bewegt und &#8230; Dass er Paare sieht, und weiß, er war so, ist so, wird wieder so sein, das lässt ihn lächeln, selbst wenn er allein hier geht. Es ist gut allein zu sein, denkt er, denn es ist gut, Zeit für sich zu haben und sich Gedanken zu machen: über den Tag, die Nacht, den Regen, den Wind, das Herz, die Möse und den Schwanz, den Hund und den Kater, das Gestern, Heute, Morgen, über Fehler und richtige Handlungen, über Wahrheit und Lüge, über das, was er ist und das, was er gern sein würde. Mark liest gern. Er isst gern. Er spricht gern.  Er vögelt gern. Er handelt gern. Aber er handelt nicht immer so, wie er eigentlich handeln möchte. Mark ist nicht einsam, selbst wenn er hier allein geht. Mark ist nicht traurig, selbst wenn er hier allein geht. Mark ist eben Mark und wer Mark kennt, der kennt seine Stärken und seine Schwächen. Es ist das Herz, das sich bewegt, denkt er. Meines und das der anderen Menschen und jedes schlägt auf seine eigene Weise und manchmal, da schlagen zwei Herzen im selben Takt und manchmal, da gerät ein Herz aus dem Takt und manchmal, da hört ein Herz auf zu schlagen, manchmal beginnt es wieder. Mark möchte Arzt werden, er möchte ein Herz, das aufgehört hat, zu schlagen, wieder beleben. Er möchte die Welt sehen und seine Tage für sich verbringen, denn Mark ist nicht einsam, selbst wenn er allein ist.</p>
<p>3. Wahrheit: die gegenwart ist die einzige zeit, die uns wirklich gehört</p>
<p>Mark liegt im Bett und hört der Stille zu. Er hört seine Gedanken, die um den Tag kreisen, den er allein verbracht hat, ein schöner Tag, der ihm gezeigt hat, es ist nicht traurig, allein zu sein. Er hört der Stille zu und seinen Gedanken, die um die Nacht kreisen, die anbrechen wird, bald. Nachts ist jeder für sich, die Gedanken sind frei, er denkt an dieses Kinderlied und daran, dass es ihm vorgesungen wurde, früher und auch in jüngerer Vergangenheit. Er hört der Stille zu und seinen Gedanken, die um ihn kreisen und lächelt, er spürt, wie sich die Knoten in ihm auflösen, einer nach dem anderen, spürt, wie die Leichtigkeit zurück in seinen Körper fließt, spürt, wie er loslässt und sein Ich wieder Gestalt annimmt. Ein Ich, von dem er dachte, er habe es irgendwo verlegt, vergessen, vielleicht, ein Ich, von dem er nicht wusste, dass es noch da ist. Mark ist einer, der sich selbst liebt, aber auch andere, aber nie ohne Grund und nicht mehr grenzenlos. Er hört der Stille zu und der Leere in seinem Bett, dem Flüstern aus der Vergangenheit, und dass es gut ist, dass er hier allein liegt, denn es ist nicht schlimm, allein zu sein, denn nur im Alleinsein wird Platz für Zwei geboren. Er hört der Stille zu und dem Raunen der Vergangenheit, die ihn umfängt und lacht sie aus, die Vergangenheit, er lacht, weil er weiß, dass er es nicht mehr ändern kann, dass er es nicht mehr ändern will und weil er weiß, dass er die Gegenwart stattdessen bilden will, seine Gegenwart und die von anderen Menschen, die ihn umgeben, deren Gegenwarten, die ihn ändern, wenn er es will und manchmal auch, wenn er es nicht will, aber nie so, wie es die Vergangenheit getan hat. Er springt auf, aus dem Bett heraus, aus der Vergangenheit heraus und denkt daran, die Gegenwart ist die einzige Zeit, die uns wirklich gehört und manchmal denkt er, dass es schön wäre, wenn da ein anderer Mensch in seiner Gegenwart wäre. Er erinnert sich an die Museen und an die Paare, die eng umschlungenen und die nicht so eng umschlungenen und dann lächelt er, denn er war so, ist so und wird wieder so sein, denn da ist ein bestimmter Mensch in seinem Leben und noch einer und noch einer und sogar noch ein vierter, je länger er darüber nachdenkt, desto mehr werden es – morgen, sagt Mark, freue ich mich darauf, allein zu sein und legt sich wieder ins Bett.</p>
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		<title>gelegenheitsprosa &#8211; stillleben</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 11:57:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kapinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[gelegenheitsprosa]]></category>

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		<description><![CDATA[Wind im gelb-grünen Gras, das zwischen ihren Zehen kitzelte, die Sonne brannte dennoch und aus der Entfernung war das Geschrei von Kindern zu hören. EIn Schmetterling flog vorüber, war sich nicht bewusst, dass sein Leben nur diesen einen, kurzen Sommer &#8230; <a href="http://kapinski.wordpress.com/2010/06/28/gelegenheitsprosa-stillleben/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kapinski.wordpress.com&amp;blog=6375154&amp;post=1733&amp;subd=kapinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wind im gelb-grünen Gras, das zwischen ihren Zehen kitzelte, die Sonne brannte dennoch und aus der Entfernung war das Geschrei von Kindern zu hören. EIn Schmetterling flog vorüber, war sich nicht bewusst, dass sein Leben nur diesen einen, kurzen Sommer dauern würde; er flog schöne Bahnen und ließ sich einen Moment zwischen ihnen nieder, sie schwiegen; da waren viele Worte gewesen, die gesagt blieben und noch viel mehr, die ungesagt bleiben musste, fürs erste.</p>
<p>Wind im gelb-grünen Gras, das zwischen ihren Zehen kitzelte, zwei Finger, die sich zaghaft berührten, zwei Zehen, die miteinander Kontakt aufnahmen, zwei Köpfe, die sich zueinander wandten, zwei Menschen. Sie sagte, dass sie auf den Regen warte, der ihr heißes Herz endlich abkühlen würde, dass es wichtig wäre, sich abzukühlen und viel zu trinken, an einem solchen Tag, er nickte, machte &#8222;hm&#8220; und hielt seine Augen geschlossen, spürte die Spitze ihres Fingers mit dem sie seine Hand entlangstrich, der Wind ließ nach, die Sonne brannte heiß.</p>
<p>Sie sagte, dass sie es nicht ertrüge, so nah an ihm zu liegen, dass es ihr zu heiß wäre und er machte &#8222;hm&#8220;, hielt die Augen geschlossen und wartete darauf, dass ihr Finger von seinem Handrücken verschwände, Wind, der aufgehört hatte zu sein, er hörte, wie sie sich ein Stückchen von ihm weglegte, aber der Finger blieb. Der Schmetterling ließ sich auf ihrem Bauch nieder, den sie der Sonne entgegenstreckte, der  Bauch, dessen Wärme er kannte und gern mochte, der weiche Bauch, auf den er gern seinen Kopf gelegt hätte, sie sagte, der Schmetterling würde kitzeln, wie das Gras zwischen ihren Zehen.</p>
<p>Eine Wolke schob sich vor die Sonne, er hob den Kopf, sie sagte, dass es endlich bald regnen würde.</p>
<p>Er machte &#8222;hm&#8220;, spürte, wie ihr Finger den Kontakt zu seiner Hand verlor, vielleicht, weil er sich unbedacht aufgesetzt hatte, vielleicht, weil es genug war, für diesen Moment, vielleicht, weil es bald regnen würde, vielleicht, weil die Sonne heiß auf sie niedergebrannt hatte und ihr Herz erhitzt war, die Wolke wurde größer.</p>
<p>Sie saßen, lagen, eine Mischung aus beidem, wie es nur zwei Körper zusammen fertig bringen, unter einem dichtbelaubten Baum und sahen dem Regen zu, ab und an tropfte es durch die Blätter auf sie herunter. Er strich über ihren Kopf, den sie auf seinen Bauch gelegt hatte. Er sagte, dass sie ein Stillleben wären, in diesem Sommer und sie machte, &#8222;hm&#8220;, hielt ihre Augen geschlossen, genoss die langsam streichelnde Fingerspitze an ihrem Haaransatz.</p>
<p>Regen fiel und sie saßen, ob es nicht besser wäre, zu gehen, sich zu bewegen, fragte sie, ihre Beine wären eingeschlafen und er half ihr auf, stützte sie und sie gingen langsam los, durch den Sommerregen, ob es die ganze Nacht regnen würde, sie sagte, hoffentlich, dachte, mein erhitztes Herz könnte endlich abkühlen und er sprang von einer Pfütze in die nächste, warmes Regenwasser spritzte an seinen nackten Unterschenkeln hoch und ihr T-Shirt lag eng an ihrem Oberkörper, hob ihre Weiblichkeit hervor und er machte &#8222;hm&#8220;.</p>
<p>Regen fiel, als sie einschliefen, nebeneinander in einem Bett, aber nicht ineinander verschlungen, sie spürte seinen Körper und war froh, dass er Abstand hielt, ihre Zeit ließ, abzukühlen. Er hörte ihren ruhigen Atem, ab und an zuckte ein Arm, ein Bein, sie veränderte ihre Position, wovon sie träumen mochte? Es dauerte eine lange Regennacht, die fast ins Morgengrauen überging, bis er endlich die Augen schloss. Im Schlaf war sie näher gekommen, vorsichtig, die Decke war von ihr abgeglitten. Er sah sie, strich ihr vorsichtig über den Kopf, um sie nicht aufzuwecken, dann drehte er sich auf die andere Seite , in seinem Innern ein erhitztes Herz, das ihn gleichmäßig in den Schlaf pochte.</p>
<p>Am Morgen lag er lange im Bett, hörte sie bereits in der Küche, roch frischen Kaffee, wusste, das Stillleben war vorüber, als er die Beine über die Bettkante schwang und setzte sich mit einem Lächeln zu ihr an den Tisch, sie goss ihm eine Tasse Kaffee ein, sagte, es gäbe nur Sahne, keine Milch, er machte, &#8222;hm&#8220;, wusste, sie wollte an diesem Morgen nicht viel reden. Worte, die gesagt waren, Worte, die ungesagt blieben fürs Erste.</p>
<p>Ehe er ging, fragte er nach der Hitze in ihrem Herz, sie lächelte, sagte, es würde gehen, es wäre gut, dass es geregnet hätte. Auf dem Weg nach Hause sprang er von Pfütze zu Pfütze, es hatte abgekühlt, über Nacht, aber er fror nicht, trug ihre Hitze in sich, und versprach, gut darauf acht zu geben, wenn sie käme, frierend, um sie wärmen.</p>
<p>Sie hatte gelächelt, als er ging, hatte ihren Kopf kurz an seine Brust gelegt, küsste ihn einmal, zweimal. Wusste, sie würde ihn wiedersehen, wusste, er würde die Hitze, die sie ihm gegeben hatte, gut verwahren. Sie sah ihm hinterher, wie er das Treppenhaus hinunter stürmte und dachte daran, was es heute für sie zu tun galt, kehrte in ihr Zimmer zurück, sah die Kuhle, die der Abdruck seines Kopfes im Kissen hinterlassen hatte und spürte, wie ihr Herz wieder heiß wurde. Es war gut, dass es geregnet hatte, dachte sie und wie er mit einem Lächeln in die Pfützen gesprungen war.</p>
<p>Vom Fenster aus sah sie ihm hinterher, bis er um die Ecke verschwunden war. Legte eine Hand auf ihr Herz und spürte, wie es sie gleichmäßig pochend durch den Tag tragen würde.</p>
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		<item>
		<title>(keine) gelegenheitsprosa &#8211; Dahlia sagt, ich sage IX</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Jun 2010 12:49:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kapinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[gelegenheitsprosa]]></category>

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		<description><![CDATA[was Dahlia und ich zuvor gesagt haben. Dahlia sagt: Rodeck, Rodeck, Rodeck. Irgendwann kam der Punkt, da konnte ich seinen Namen fast nicht mehr hören. Trotz Liebe. Wissen sie das denn nicht? Emotionsoverkill, würde man es vielleicht nennen. Aber es &#8230; <a href="http://kapinski.wordpress.com/2010/06/20/keine-gelegenheitsprosa-dahlia-sagt-ich-sage-ix/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kapinski.wordpress.com&amp;blog=6375154&amp;post=1726&amp;subd=kapinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kapinski.wordpress.com/2010/06/12/keine-gelegenheitsprosa-dahlia-sagt-ich-sage-viii/">was Dahlia und ich zuvor gesagt haben. </a></p>
<p><strong>Dahlia sagt: </strong></p>
<p>Rodeck, Rodeck, Rodeck. Irgendwann kam der Punkt, da konnte ich seinen Namen fast nicht mehr hören. Trotz Liebe. Wissen sie das denn nicht? Emotionsoverkill, würde man es vielleicht nennen. Aber es gibt Tage, an denen vermisse ich ihn so sehr, dass ich denke, ich könnte nicht ohne ihn sein.</p>
<p><strong>Ich sage (weil ich es besser weiß), Rodeck wird aufwachen.</strong></p>
<p>„Hören Sie, sie müssen mir helfen“, sagte Rodeck, er beugte sich nach vorn, stütze die Arme auf der großen und blank polierten Platte von Kuros Schreibtisch auf. Der saß in seinem bequemen Sessel, nach hinten gelehnt, formte mit seinen Händen, deren Fingerspitzen er aneinanderlegte ein Dreieck. „Diese Pose nehme ich immer ein, wenn ich nachdenke“, sagte er. Rodeck begriff nicht.</p>
<p>„Wissen Sie, Rodeck, das Problem mit Ihnen ist, dass sie keine Geduld haben. Sie wollen alles und immer sofort. Sie finden kleine Kärtchen, deren Bedeutung wir erst entschlüsseln müssen, Anamnese“, schon wieder Anamnese, dachte Rodeck gequält, wie weit würde es noch gehen, musste er denn wirklich alles erzählen, musste er sich denn selbst quälen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen, wenn es denn eine gab?, „und dann werden wir sehen, wie weit wir damit kommen“, schloß der Arzt. Nichts hatte sie seit seinem letzten Besuch hier verändert, nur, dass es draußen vor dem Fenster langsam Frühling wurde und Kuros einen fliederfarbenen Pullover trug, nicht schwarz und ohne Rollkragen, wie er es während der winterlichen Sitzungen oft getan hatte. „Weshalb tragen sie eigentlich immer schwarz“, fragte ihn Rodeck einmal, „ist jemand gestorben?“ und der Arzt lächelte, „nein, ich mag diese Farbe, sie ist eben klassisch“ und in der nächsten Sitzung trug er einen weinroten Pullover, aber immerhin eine schwarze Jacke drüber, es sah bequem aus und für einen Moment wünschte sich Rodeck, ebenfalls eine solche Jacke zu besitzen, sie schien ihrem Träger die Fähigkeit zu verleihen, sich darin einzuwickeln, sich darin zu verstecken, und sicherlich war sie weich, kratzte nicht, und hielt warm. „Wo kaufen sie eigentlich ihre Kleidung“ wollte Rodeck den Arzt fragen, aber der saß da, immer noch das Dreieck vor Augen, „es hilft mir, mich auf das Problem zu focussieren“, hatte er Rodeck erklärt, „Rauchen sie ruhig, wenn sie wollen“, sagte Dr. Kuros. Rodeck ließ sich nicht bitten, hastig steckte er sich eine Zigarette an, er mochte keine Wartezeiten. Wie oft habe ich in meinem Leben bisher auf etwas gewartet, fragte sich Rodeck und wie oft trat das gewünschte Ereignis dann auch ein? Passivität ist wie eine Krankheit hatte sein Großvater zu ihm gesagt, und du willst doch kein kranker Mann werden, oder mein Kleiner, dabei täschelte er ihm den Kopf, Rodeck schreckte unter der Berührung unwillkürlich zurück, so gern er seinen Großvater mochte, von diesen alten, fleckigen Händen berührt zu werden, verursachte ihm immer Unbehagen, sie waren zwar schmal, grazil fast, aber irgendwie erinnerte er sich später, hatten sie ihn auch immer an Klauen erinnert, Raubtierklauen, von einem Vogel vielleicht, oder einer großen Katze, auch ein Wolf, aber Wölfe besaßen eigentlich keine Klauen, glaubte Rodeck zu wissen. Er war zwölf und die Narbe an seinem Arm war gut verheilt, sie würde ihm aber ein Leben lang bleiben, hatte der Arzt gesagt, der das Loch zunähte, der Kleine, das bin ich gewesen, er weinte und weinte.</p>
<p>„Sie haben sie katalogisiert, wissen Sie Rodeck, aber warum haben sie das getan?“</p>
<p>„Ich weiß es nicht“</p>
<p>„Können sie sich daran erinnern, dass sie geschrieben haben, Dahlia: Halb Rumänierin, halb Spanierin, sonst keine Kenntnisse über ihre Herkunft“</p>
<p>„Nein“ Rodeck schauderte, war dass denn wirklich ich,</p>
<p>„Ich meine, ich habe sie nie in dieser Weise wahrgenommen, so&#8230;“ er suchte nach dem passenden Wort,</p>
<p>„distanziert? Meinen sie das, distanziert, wie man ein Objekt von wissenschaftlichem Interesse wahrnimmt?“</p>
<p>„Ja. Ich habe sie nie so wahrgenommen, im Gegenteil, Dahlia, war ein Mensch, eine wunderbare Frau, die ich geliebt habe“</p>
<p>Kuros seufzte.</p>
<p>„Da wäre ich mir nicht mehr so sicher. Was ich hier lese“, er klopfte mit dem Stapel Kärtchen auf die polierte Platte seines Schreibtisches, „klingt fast, als hätten sie Dahlia erfunden. Ich meine, lesen sich doch selbst, was sie geschrieben haben“ Er schob den Stapel auf Rodeck zu, „aber vermutlich können sie sich daran nicht mehr erinnern, oder?“</p>
<p>„mein Großvater sagte eines Tages zu mir, Passivität mache krank. Wissen Sie wie ich mich fühle?? Wissen Sie, wie es ist, wenn man sich nicht mehr erinnern kann? Wenn alles, was ich sehe, was ich denke, weiß ist, weiß, als müsste ich es beschriften, aber es will mir nicht gelingen?“ Rodeck setzte sich auf, wieso fühle ich mich wie ein Angeklagter im Zeugenstand, ich habe doch nichts getan und sicherlich nicht für Dahlias Verschwinden gesorgt. „ich versichere Ihnen, Dahlia existiert. Wir müssen tiefer graben, ich bitte sie“</p>
<p>Dann ließ er seinen Kopf hängen. Er wusste, dass der Arzt jetzt überlegte, ob dieser Enddreissiger es denn wärt wäre, ob es denn wirklich Sinn mache, ihm eine Erinnerung zurückzugeben, die er vielleicht nie besessen hatte.</p>
<p>„Gut. Wir machen weiter. Einige Tests und dann wieder Sitzungen. Diese Briefe und Tagebücher, von denen sie mir einmal erzählt haben, bringen sie das Material beim nächsten Mal mit. Die Tests beginnen morgen. Die nächste Sitzung machen wir dann, wenn ich ihre Ergebnisse ausgewertet habe, ich melde mich bei ihnen“.</p>
<p>Dr Kuros erhob sich. Er reicht mir die Hand, dachte Rodeck, als wollte er mir sagen, nun gehen sie schon, ich bin ihm unangenehm, aber sind das Menschen, die sich nicht erinnern können, nicht immer?</p>
<p>Rodeck ahnte, dass es hier nichts mehr gab, was ihn weiterbringen könnte. Er wollte nach dem Stapel greifen, aber Kuros fing seine Hand ab. Er hat einen festeren Griff, als ich ihm zugetraut hätte, dachte Rodeck erstaunt. „Die sollten sie hier lassen, ich füge sie ihrer Akte hinzu“, sagte der Arzt, „und ich glaube, es ist noch zu früh, ihnen das zu geben“</p>
<p>„Sie tun mir weh“, sagte Rodeck.</p>
<p>„Bitte verzeihen sie“, sagte der Arzt, ließ ihn los. Schnell, als könnte er seinen Meinung doch noch ändern, schob er den Stapel in die am weitesten von Rodeck entfernte Ecke des Schreibtisches, Rodeck folgte dieser Bewegung mit den hungrigen Augen eines Schiffbrüchigen, der in jedem Flecken am Horizont die Rettung zu erkennen glaubt, bis sich das vermeintliche Schiff nur wieder als Welle, Lichtspiegelung oder eine Halluzination herausstellt. „Schiffbrüchige treten im Wasser, bis sie untergehen, wussten sie das“, sagte Rodeck,</p>
<p>„Auf Wiedersehen, Herr Rodeck“, sagte der Arzt. „vergessen sie die Tests ab morgen nicht, ich bitte sie“</p>
<p>„Auf Wiedersehen“</p>
<p>Rodeck drehte sich um und ging. Was hatte Kuros noch gesagt? „Wir haben bereits beträchtliche Fortschritte gemacht, oder finden sie nicht?“ Das war, nachdem er mit ihm im Cafe gesessen hatte, dort, an der Ecke, wo er Dahlia kennen lernte. Und nun wollte ihm derselbe Dr. Kuros mit einem Mal weismachen, Dahlia sei nur eine Erfindung von ihm? Rodeck schüttelte den Kopf, „ja elf Uhr sei kein Problem“, sagte er, als die Empfangsdame mit schnellen Augen den Terminkalender überflog, „gut dann morgen um elf, im Krankenhaus, sie melden sich dann da“ und damit reichte sie ihm einen Zettel. „bis dann“, sagte Rodeck.</p>
<p>Er schloss unwillkürlich seine Augen, als sie ihn in die Röhre fuhren. Sie müssen keine Angst haben, hatte die Schwester zu ihm gesagt. Ich habe keine Angst antwortete er. Was passiert mit mir, wenn sie nichts finden, fragte er sich, oder schlimmer noch, was passiert, wenn sie etwas finden? Krankenhäuser üben immer diese Wirkung auf dich, versuchte er sich zu beruhigen. Aber der Geruch von Desinfektionsmitteln drang stark in seine Nase. Oder bilde ich mir das nur ein? Die Maschine begann zu surren, es wird etwas eine Stunde dauern, also bitte denken sie an etwas schönes, auch das sagte die Schwester zu ihm, dann lächelte sie ihn an, ich bin mir sicher, dass sie alle Patienten auf diese Weise anlächelt, das typische Krankenhauslächeln eines Profis, mit dem man dachte man könnte auch die schlimmsten Nachrichten mildern. Ob sie darauf trainiert werden, so zu lächeln? Rodeck fragte sich, was für eine Erscheinung er jetzt abgeben musste, nur meine Füße ragen nun aus dieser Röhre heraus. Drücken sie diesen Knopf wenn sie Panik bekommen, sagte die Schwester auch zu ihm und Rodeck antwortete, ich bekomme keine Panik, keine Angst, aber sie fand diesen Scherz nicht wirklich lustig. Dann fuhr sie ihn in die Röhre und hier liege ich nun und warte darauf, dass sie eine Karte meines Gehirns erstellen. Er versuchte sich zu erinnern, was er über Krankenhäuser wusste, aber außer dass man krank hinein kam und hoffentlich gesund wieder hinaus war es nicht viel. Manche kommen auch gar nicht mehr nach Hause, Rodeck, vergiß das nicht. Ob sie Dahlia in meinem Kopf finden können, fast hätte er den Knopf gedrückt, seine Hand lag nur wenige Zentimeter davon entfernt und die Schwester hatte ihm klar erklärt, sie können ihn nicht verfehlen, aber drücken sie ihn bitte wirklich nur in Notfällen, wir würden sie natürlich sofort aus der Röhre holen, wenn es nötig wäre, aber wissen sie, wenn sie möchten, kann ich ihnen auch ein Sedativum geben. Nein danke, ich verzichte, ich bin ganz ruhig, versuchte er wieder zu scherzen und dann fuhr sie in wenig später in die Röhre, er schloss die Augen und versuchte an etwas schönes zu denken,</p>
<p>ich denke an Dahlia, an ihre weiche Haut, ihre langen Augen, ihr Haar, das sich mit meinem vermischt, wenn wir miteinander schliefen, ich denke an ihre Trägheit, mit der sich mich jedes Mal Kaffee machen hieß, ich denke an,</p>
<p>und in diesem Moment geschah es, dass Rodeck merkte, dass er sich nicht mehr klar an Dahlia erinnern konnte. Weder wusste er genau wie sie sich anfühlte, noch wie sie roch, noch hörte er ihre Stimme in seinem Kopf, es ist, als ob ich einen Film sehe, dessen Tonspur durch ein Rauschen überdeckt wird und dann beginnt er zu allem Überfluss auch noch zu flimmern, Rodeck, konzentriere dich, du kannst sie nicht einfach vergessen, nicht sie, nicht Dahlia. Sie machen gerade eine Karte deines Kopfes, sie werden sie schon finden und falls nicht, dir wenigstens dabei helfen, sich wieder an sie zu erinnern.</p>
<p>Die Maschine klackte einmal, dann ein weiteres Mal. Das Klacken ist in Ordnung hörte er die Schwester sagen, als hätte sie seine Gedanken gelesen, Rodeck war völlig entgangen, dass sie noch im Zimmer war. „geht es ihnen gut“, fragte sie,</p>
<p>„ja, natürlich, aber sagen sie, wielange noch?“</p>
<p>„Aber mein lieber Herr Rodeck, wir haben doch gerade eben erst angefangen, ein wenig Geduld müssen sie schon haben“</p>
<p>Er seufzte, „es lässt sich nicht ändern“</p>
<p>„Nein“.</p>
<p>„Möchten sie vielleicht Musik hören, Herr Rodeck?“</p>
<p>„Nein. Es geht, aber danke“</p>
<p>Er hörte Schritte, dann das Klappen einer Tür,</p>
<p>jetzt bin ich allein, dachte er.</p>
<p>Wie musste sich Clara gefühlt haben, als sie in der Nacht in die Wanne gestiegen war, eine alte, aber grazile Frau, und das Wasser war sicherlich warm gewesen. Hat sie sich nochmals vergewissert, dass sie wirklich müde war, einfach müde und nur schlafen wollte? Erinnerte sie sich an die Bedeutung des silbernen Kettchens?</p>
<p>Die Maschine klackte wieder.</p>
<p>Am Ende wartet doch immer noch die Hoffnung, oder Rodeck? Hatte nicht sein Vater diesen Satz einmal zu ihm gesagt, in jenen seltenen Momenten, in denen er ihm nahe war, vielleicht an einem Mittwochabend im Mai, als sie auf den Garten blickten, der sich hinter dem Haus ausbreitete und die Nacht bereits ihre Schatten über die Baumreihen warf? Es könnte auch ein anderer Abend gewesen sein, aber Rodeck war sich zumindest sicher, diesen Satz gehört zu haben, von seinem Vater, ausgerechnet er. Er seufzte, und versuchte sich diesen Abend vorzustellen, wie er mit seinem Vater auf den hölzernen Liegen saß, wir tranken eine Flasche Bier zusammen, ich rauchte sogar, und mein Vater sah mich an, in seinen Augen lag Stolz, weißt du mein Sohn, weißt du Rodeck, am Ende wartet doch immer noch die Hoffnung. Rodeck schwieg, die Natur schwieg, die Nacht war still.</p>
<p>Ja vielleicht, antwortete er schließlich, aber wieso hast du sie dann verloren?</p>
<p>„Musst du diesen Moment denn jetzt zerstören?“ sagte sein Vater.</p>
<p>„Nein. Aber ich habe dich etwas gefragt, hast du eine Antwort darauf?“</p>
<p>„Vielleicht. Mein Leben verlief nicht so einfach wie das deine, mein Sohn“</p>
<p>Rodeck hielt inne.</p>
<p>Erstens klackte die Maschine erneut und zweitens stimmte etwas mit dieser Erinnerung nicht,</p>
<p>er würde mich nie Rodeck nennen, nie.</p>
<p>Was war es dann?</p>
<p>Er blinzelte einmal, versuchte in den Garten zurück zu kehren, zurück zu diesem Abend, aber jetzt, wo er wusste, dass er die Erinnerung nicht hatte, spürte er auch, dass es sinnlos war, sich weiter zu bemühen.</p>
<p>Der Geruch der Desinfektionsmittel setzt sich in meiner Nase fest, er begann mit den Zehen zu wackeln, unwillkürlich wanderte sein Finger auf den Knopf zu. Die Wand der Maschine war glatt, sie fühlte sich kalt an, merkwürdig, es fließt doch Strom in diesem Gerät, müsste sie sich nicht erhitzen, aber dann fiel ihm ein, dass der Hersteller sicherlich nicht gewollt haben konnte, dass die Menschen sich verbrennen, die in eine derartige Röhre mussten.</p>
<p><em>usw.usf. </em></p>
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		<title>(keine) gelegenheitsprosa &#8211; dahlia sagt, ich sage VIII</title>
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		<pubDate>Sat, 12 Jun 2010 11:53:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kapinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[gelegenheitsprosa]]></category>
		<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Was Dahlia und ich zuvor gesagt haben. Dahlia sagt: Es ist nicht so, dass ich nicht gern bei ihm geblieben wäre. Ein Schnappschuss ist wie eine Auszeit, eine Auszeit von meinem sonstigen Leben. Da ist für Rodeck kein Platz. Ich &#8230; <a href="http://kapinski.wordpress.com/2010/06/12/keine-gelegenheitsprosa-dahlia-sagt-ich-sage-viii/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kapinski.wordpress.com&amp;blog=6375154&amp;post=1722&amp;subd=kapinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://kapinski.wordpress.com/2010/06/10/keine-gelegenheitsprosa-dahlia-sagt-ich-sage-vii/">Was Dahlia und ich zuvor gesagt haben. </a></p>
<p><strong>Dahlia sagt:</strong> Es ist nicht so, dass ich nicht gern bei ihm geblieben wäre. Ein Schnappschuss ist wie eine Auszeit, eine Auszeit von meinem sonstigen Leben. Da ist für Rodeck kein Platz. Ich weiß, dass er sich ändern könnte. Dass er es mir zuliebe tun würde. Aber er soll es sich zuliebe tun. Für sich, sein Leben. Er ist eine arme Sau, träumt den ganzen Tag, aber irgendwie liebe ich diese arme Sau auch. So sehr manchmal, dass mir nichts anderes übrig blieb, als ihn zu verlassen. Das ist doch verständlich, oder?</p>
<p><strong>Ich sage, weil ich es besser weiß</strong>: Rodeck träumt, die arme Sau träumt den ganzen Tag.</p>
<p><em>Junge, drang es an sein Ohr, Junge, bist du da? Antworte mir, sagte die Stimme seines Vaters. Oh Vater, dachte Rodeck, nein ich bin nicht da. Hier ist Rodeck. Rodeck der Erbe eines Kuckuckkindes. Rodeck, der mit der Narbe im Arm. Junge, komm nach Hause, wir müssen endlich reden. Sag, bist du denn da? Er wusste, dass sein Vater nur seinen Atem hören konnte, oder war es ihm etwa möglich, auch das Pochen seines Herzens, seinen Puls, der ihm die Adern an den Schläfen hervortreten ließ, wahrzunehmen? Weiß verkrampften sich seine Knöchel um den Telefonhörer. Junge, bitte, sagte sein Vater und jedes Mal, wenn er das sagte, wurde seine Stimme flehender, sanfter. Bitte. Aber Rodeck blieb hart, er saß da, schwieg, atmete und hörte seinem Vater zu. Gut, sagte der, also hör zu. Komm nach Hause, wir müssen endlich reden. Ich weiß, dass ich dir diese Briefe nie hätte geben sollen. Es war nicht deine Schuld, wieso nimmst du das auf dich? Die Hand mit dem Telefonhörer begann zu zittern, komm, mein Junge, wir müssen doch endlich reden.</em></p>
<p>Rodeck legte auf. Langsam ließ er den Hörer los, er hatte am Ende so fest zugepackt, dass sich die Muskeln seiner Hand verkrampft hatten. Es tut weh, dachte er. Aber ich werde nicht dorthin zurückgehen. Weshalb sollte ich auch? Wenn du wüsstest, Vater, welchen Gefallen du mir damit getan hast, mit jenen Briefen, ihrem Tagebuch. Mit der Wahrheit, selbst wenn sie einen kranken Menschen aus mir gemacht hat. Aber die Wahrheit ist das einzige, was ich noch will. Und meine Erinnerung ist Wahrheit. Oder nicht? Leise befiel ihn ein kleiner Zweifel an seinem letzten Gedanken. Er fühlte sich müde, noch ein Tag, bis ich Kuros wieder sehe. Noch ein Tag, bis ich zumindest für eine Stunde, oder zwei, sicher sein kann, dass es echt ist. Dass ich nicht träume. Dass ich mich erinnere, selbst wenn es nur ein kleines Stück ist. Das Läuten des Telefons unterbrach seine Gedanken. Wenn es Vater ist, lege ich sofort wieder auf. „Hallo, Rodeck hier?“, aber er hörte nichts. Nicht einmal den leisesten Atem am anderen Ende der Leitung. Hallo, wer ist denn da, fragte er wieder. Hallo. Aber es blieb stumm. Dahlia, sagte, er zögernd, bist du das? Dahlia, ein wenig drängender, nochmals, Dahlia? Er würde später, zurückblickend sagen, dass dies der Moment gewesen sein musste, in dem er endgültig an der Realität von Dahlia zu zweifeln begann. Dahlia? Freizeichen. Er hielt den Hörer an sein Ohr gedrückt, Tränen liefen ihm übers Gesicht, Dahlia, wo bist du, wer bist du? Wenn ich diese Sätze immer und immer wiederhole, kehrt sie dann zurück zu mir, fragte er sich und an seinem Ohr nichts als das Freizeichen der Leitung. Fünfzehn Minuten saß er da, weinte, flehte nach Dahlia und dann legte er endlich den Hörer zurück. Es muss aufhören und er fragte sich, wie viele Tage noch kommen würden, an denen er von einem Moment der Zufriedenheit in einen Moment der Verzweiflung fallen würde, wie viele Nächte noch folgen würden, in denen er wachlag und träumte, oder in denen er schlief und nichts träumte? Es muss aufhören und er stand auf, ging in die Küche, holte Werkzeug. Dann riss er jeden einzelnen Nagel aus der Wand. Die Löcher überstreiche ich morgen, ich streiche am besten alles. Fast war er versucht, außer den Nägeln noch seinen Schrank aus dem Zimmer zu werfen, ebenso die Couch, das Bett, den Schreibtisch, alle Stühle, seine Regale mit Büchern, seine Lampen und die darin enthaltenen Glühbirnen, den Teppich, am besten alles, was seine Wohnung hergab. Aber würde das etwas ändern, Rodeck, fragte er sich? Nein, es würde nichts ändern und wieder begannen Tränen in ihm aufzusteigen. Wenn ich jetzt nach draußen gehe, hinaus in die Stadt, mit einem Gesicht wie dem meinem, an Straßen entlang, mit erleuchteten Schaufenstern, geschlossenen Läden, vorbei an Autos, Fahrrädern, Menschen, Tieren, vorbei an Ampeln, Bushaltestellen, U-Bahnstationen, vorbei an Bäumen, Grünflächen und Hinterhöfen, die mit Efeu bewachsen waren, vorbei. Würde mich denn dann jemand sehen? Oder könnte ich jemand sehen? Er schloss die Augen und seine Schritte führten ihn die Treppe hinab, die Haustür hinaus. Dann an der Ecke biege ich nach links ab und laufe ein bisschen an den Schienen der Tram entlang. Hintern einem Schaufenster, ein Cafe, darin die Beine einer Frau. Bist du das, Dahlia, fragte er durch die Scheibe hindurch, aber die Frau schüttelte den Kopf und wippte weiter mit den Beinen, nippte an ihrem Cappucino, er ging weiter.</p>
<p>Ein Mann von dem er glaubte er kenne ihn, lief mit einem Hund vorbei, aber Rodeck wusste nicht, wer es gewesen war, der da, an der Ecke der Museenstraße unter den Kastanien Hallo Rodeck zu ihm gesagt hatte und dabei gelacht hatte. Er strebte zum Park hin, wusste nicht was er dort suchte, an dem kleinen See, der mitten im Sommer zugefroren war, Eisläufer drehten darauf kratzend ihre Bahnen. Wie lange saß ich dort auf einer Bank und tat nichts, fragte sich Rodeck später, als er seine Augen wieder öffnete. Wie lange? Unruhig stand er auf, lief im Zimmer umher. Erneut fiel ihm sein Vater ein, der alte, graue Mann. Abscheu und Mitleid mischten sich in Rodecks Gefühlen, ich könnte nicht sagen, was mich stärker bewegt, dachte er.</p>
<p>Entschlossen griff er zum Hörer. Die Nummer ging ihm leicht von der Hand, selbst wenn er sie lange nicht mehr gewählt hatte. Als er die letzte Taste eine Spur zu hart drückte, zögerte einen Moment, aber es ertönte bereits das Freizeichen. „von Butamer?“ –„Hallo Vater“. „Junge. Endlich“, hörte er die leise Stimme seines Vaters. Sie klang alt. Er ist alt, dachte Rodeck bitter. „Vater, mein Name ist Rodeck. Das weißt du doch“ – „Rodeck, tut das etwas zur Sache? Gut dass du angerufen hast. Es ist etwas passiert“. Das ist es allerdings. Mehr als du dir vorstellen kannst. „Was ist los“, fragte Rodeck. Die Stimme am anderen Ende der Leitung schwieg. „Vater, was ist los?“ „Du solltest nach Hause kommen, mein Sohn. Komm nach Hause“ Damit legte sein Vater auf. Rodeck lauschte eine Weile noch in die Stille hinein, die Stille des durchdringenden Tones, der ihm unüberhörbar das Ende des Gesprächs ankündigte. Sein Vater hatte merkwürdig geklungen, drängend. Als wollte er nach den Jahren etwas anders machen, verändern. Es gibt nichts mehr zu verändern, dachte Rodeck und er hielt immer noch den Hörer in der Hand. Leg auf, sagte eine Stimme in ihm, leg auf. Dann, räum deine Zimmer auf, nimm einen großen, blauen Müllsack und wirf alles weg, was du nicht mehr brauchst, was du nicht mehr denkst, dass du es brauchst.</p>
<p>Zwei Stunden später war er fertig. Vier große blaue Säcke, für drei Zimmer, kein schlechter Schnitt wie er fand. Vor allem waren es Bilder gewesen, alte Bilder, Zeitungsausschnitte, die er aufbewahrt hatte, es gab eine Zeit, da mochte er den Geruch von altem, vor sich hin gilbendem Papier. Bücher, vor allem die Bücher, die man ihm geschenkt hatte, die meisten las er nicht. Dazu Kleidung, Notizzettelchen und Schuhe. Woher waren die Sachen gekommen, fragte sich Rodeck, während er langsam die einzelnen Bereiche seiner Wohnung abschritt. Ich habe sie gekauft, man schenkte sie mir, aber wieso bedeuten sie mir nichts? Weshalb verbinde ich nichts mit ihnen, keine Gesichter, keine Gerüche, keine Geräusche, nicht einmal die Ahnung eines Gefühls? Er hatte den Kleiderschrank geöffnet und willkürlich ein paar T-Shirts herausgegriffen, die meisten davon waren verwaschen gewesen. Weg damit. In seinem Bücherregal fehlten nun drei Reiseführer, von Ländern, die er einmal bereisen wollte, es aber nie getan hatte. Ein kleiner Kerzenständer aus Messing hatte ebenso seinen Weg in den Müll gefunden, wie die Karteikartenbox mit den kleinen Kärtchen, auf der er sich Belanglosigkeiten notiert hatte, „es lohnt nicht, am Tag im Liebeskummer zu versinken, wenn die Nacht bereits mit der Sonne hereinbricht“, oder „zwischen zwei Straßen befiel mich die Ahnung, dass alles so bleiben würde, zwischen uns, wie es war. Dort der Stein und hier ich. Fleisch und Blut.“ Er fand auch einen anderen Stapel, diese Karten waren nicht grün gewesen, hellgrün und fahl, mit verknickten Ecken, sondern rot und fein säuberlich vor der Gesamtausgabe von Hölderlin gestapelt. „Dahlia“ stand auf der obersten Karte, langsam hatte Rodeck danach gegriffen, den ganzen Stapel auf einmal, den Müllsack ließ er achtlos zu Boden fallen, ein klatschendes Geräusch, auch klirren, etwas brach innen, ah ja, ein paar Gläser mit Rissen, fein wie Haare, zuvor in der Küche.</p>
<p>Wieso habe ich diese Karten vergessen, und wieso habe ich sie überhaupt geschrieben, fragte sie Rodeck. Er fasste sich ans Ohr, sein rechtes hörte aus dem Nichts einen Ton, der ihn schmerzte, und jetzt noch ein Tinnitus, er seufzte.</p>
<p>Die Kärtchen in der Hosentasche stürmte er nach draußen, ich muss zu Dr. Kuros, er wird wissen, was ich damit zu tun habe.</p>
<p><em><a href="http://kapinski.wordpress.com/2010/06/20/keine-gelegenheitsprosa-dahlia-sagt-ich-sage-ix/">usw.usf.</a></em></p>
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		<title>(keine) gelegenheitsprosa &#8211; Dahlia sagt, ich sage VII</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Jun 2010 11:08:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kapinski</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Was Dahlia und ich zuvor gesagt haben. Dahlia sagt: Nachdem ich von Rodeck weg bin, ging es mir schlecht. Sehr schlecht. Aber wenn, (Dahlia legt an dieser Stelle eine Pause ein, sie scheint nachzudenken, ihr Blick leert sich und ihre &#8230; <a href="http://kapinski.wordpress.com/2010/06/10/keine-gelegenheitsprosa-dahlia-sagt-ich-sage-vii/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=kapinski.wordpress.com&amp;blog=6375154&amp;post=1718&amp;subd=kapinski&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="http://kapinski.wordpress.com/2010/05/07/keine-gelegenheitsprosa-dahlia-schweigt-ich-sage-vi/">Was Dahlia und ich zuvor gesagt haben. </a></em></p>
<p><strong>Dahlia sagt: </strong></p>
<p>Nachdem ich von Rodeck weg bin, ging es mir schlecht. Sehr schlecht. Aber wenn, (Dahlia legt an dieser Stelle eine Pause ein, sie scheint nachzudenken, ihr Blick leert sich und ihre Nase kräuselt sich in kleinen Falten, oben, an der Wurzel), wenn &#8230; Schlecht das Gegenteil von Gut ist, dann weiß ich, dass irgendwann das Gute zurückkommen muss. nicht ständig, aber oft, treibt mein ich zu ihm, und ich stemme mich dagegen, gegen diesen treibenden Strom, damit ich nicht ertrinke.</p>
<p><strong>Ich sage, weil ich es besser weiß: rodeck träumt. </strong></p>
<p><em>Endlich weiß ich woher Dahlia kam. Wie ich sie kennen gelernt habe. An einem Mittwochmorgen erwachte ich. Die Sonne blendete mich ein wenig, sagte Rodeck, und ich spürte, dass es ein besonderer Tag werden würde. Ich bin aufgestanden und durch die Straßen der Stadt gelaufen, wusste nicht, was auf mich warten würde. Ich ging in ein Cafe. Als ich es betrat, fing ich von einem Tisch links von der Tür einen Blick aus langen braunen Augen. Äußerlich blieb ich ruhig, aber innerlich war ich bereits völlig aufgewühlt. Ich bestellte und dann ging ich zu diesem Tisch. Ich fragte, ob ich mich setzen dürfte und meine Stimme war fest. Die langen braunen Augen nickten. Meine nächste Frage schien wie von selbst geboren zu werden, ob ich Feuer haben könnte? Die langen braunen Augen wandten sich mir zu, ruhten auf mir und ich genoss das Gefühl betrachtet zu werden, sagte Rodeck. Sie betrachteten mich, wie man in einem Museum ein Bild betrachtete, eine Statue, eine Büste, ein Kunstwerk. Der Andere nickte. Was geschah dann, fragte er. Dann griff sie mit ihrer Hand nach einem Feuerzeug, in ihre Handtasche, und zündete mir meine Zigarette an. Der Moment, in dem sie diese Bewegung vollbrachte, war ein Moment perfekter Schönheit, denn sie hatte das Feuerzeug nicht einfach auf den Tisch gelegt, wie es viele andere getan hätten, nein, ihre Hand war auf mich zugekommen, signalisierte mir, dass sie geben wollte. Rodeck hielt einen Moment inne. Dann, nachdem ich an meiner Zigarette gezogen hatte, sagte ich, „ich bin Rodeck“ und dann weiter, „Wollen wir zusammen ein Bier trinken gehen?“ und im selben Moment, in dem ich es gesagt hatte, da wusste ich, dass ich nichts Banaleres hätte sagen können, aber wieder hatten die langen braunen Augen genickt.</em></p>
<p><em>Zwei Tage später trafen wir uns dann. Abends, vor einem der Museen. Sie war bereits da, als ich die Wiese zur Treppe am Eingang überquerte. „Ich bin Dahlia“, hatte sie zu mir gesagt, als ich vor ihr stand. Gehen wir in eine Bar, hatte sie vorgeschlagen und ich erwiderte, gern, in welche möchtest du gehen, aber Dahlia blickte mich nur an und wartete darauf, dass etwas geschah. Also nahm ich ihre Hand, und ging mit ihr in eine Bar, von der ich wusste, sie würde ihr gefallen. Woher ich das wusste, fragte ich mich nicht. Ich nahm also ihre Hand und sagte, komm her Dahlia, und sie kam.</em></p>
<p><em>Dann erwachte ich eines Morgens, mit einem Kater, fand kein einziges Alcaselzer in meiner Wohnung, und ich weiß auch, dass sie zu mir gesagt hatte, Rodeck, du bist für mich wie ein Snapshot.</em></p>
<p>Er öffnete die Augen, es war hier an diesem Tisch, hier in diesem Cafe, wo ich sie das erste Mal traf, sagte er zu Dr. Kuros. „Sie haben gerade einen sehr wichtigen Schritt getan“, sagte der Arzt. Rodeck blickte ihn fragend an. „Sie beginnen sich damit auseinander zu setzen, dass sie träumen und wachen und sie beginnen, die Realität wieder ein zu holen, wie ein Fischer seine Netze, verstehen sie?“ Rodeck nickte. Am liebsten hätte er laut aufgelacht, Kuros, du dummer Arzt schrie es in ihm, seit Wochen versuche ich nichts anderes und hetze Straßen entlang, von denen ich glaubte, dass ich dort mit ihr gewesen war. Er hatte ihm noch nicht erzählt, wie er vor dem verschlossenen Tor stand, an dem vielleicht eine Vernissage stattgefunden hatte, an dem letzten Abend, als Dahlia bei ihm gewesen war, er hatte ihm nichts von dem seltsamen Zusammentreffen mit dem Hausmeister erzählt und auch nichts von dem Apfel. „Was meinen sie damit, dass ich mich mit der Realität auseinander setze? Bedeutet das, dass ich Dahlia nie getroffen habe, oder bedeutet das, dass sie tatsächlich in meinem Leben existiert hat?“ fragte er den Arzt.</p>
<p>„Rodeck,“ sagte Kuros, „das bedeutet vor allem, dass sie anfangen, sich wieder zu erinnern. Alles Weitere wird sich mit der Zeit geben, sie werden sehen“. Rodeck traute seinen Worten nicht, dennoch sagte er, „ich hoffe, die Erinnerung wird keine Überraschungen für mich bereithalten“. Er hob die Hand, um der jungen Bedienung zu winken, wir möchten zahlen, sagte er. „Sie müssen mich nicht einladen, Herr Rodeck“, sagte Kuros, aber Rodeck winkte ab, „ich bin ihnen sehr dankbar, für das was sie für mich tun“. In sich wusste er, dass das gelogen war. Ich habe Angst, ich habe wirklich Angst, vor dem, was passieren wird. „Wie sie meinen“, sagte Kuros, wir sehen uns dann in zwei Tagen in meiner Praxis. Vielleicht werden wir noch mehrere dieser Feldversuche unternehmen müssen, um die Fortschritte voranzutreiben. Bis übermorgen möchte ich, dass sie ein wenig für mich schreiben werden. Schreiben sie auf, wie sie Dahlia kennen gelernt haben.“ Aber das habe ich ihnen doch gerade erzählt, sagte Rodeck. Ja das haben sie, antwortete er, aber ich möchte dass sie es nochmals aufschreiben. Es ist wichtig, um ihre Erinnerung zu festigen. Schreiben sie soweit sie wollen. Wir sehen uns dann. Damit erhob er sich und ging. Rodeck blieb zurück, starrte auf die beiden Tassen Kaffee in denen noch ein Rest von Milchschaum hing, „noch einen Milchkaffee bitte“, sagte er, als das junge Mädchen kam, um ihm die Rechnung zu bringen.</p>
<p>„Sie zahlen dann alles zusammen“, fragte sie. Ja, sagte Rodeck, ich zahle dann alles zusammen und die direkte Wiederholung dieses Satzes stach ihn. Aber, ich spreche mit ihr, und selbst wenn ich es nur wiederhole, ich spreche mit ihr und das heißt zugleich auch, dass es real ist. „Sagen sie,“ und das Mädchen drehte sich nochmals um, „Ja“ sie hob fragend eine Augenbraue an, „ich hatte bis gerade eben noch einen anderen Mann hier am Tisch sitzen, oder?“, „Aber natürlich lachte sie, er geht dort drüben, sie zeigte aus dem Fenster und tatsächlich ging dort, auf der anderen Seite der Straße ein Mann. „Gut, danke“, sagte Rodeck. Dass das Mädchen im Gehen leicht den Kopf schüttelte und sich vermutlich fragte, was für ein merkwürdiger Mensch er denn sei, störte ihn nicht. Ich fange wieder an, zu leben, und dieses Hochgefühl war so stark, dass Rodeck nicht anders konnte, als zu lächeln. Eigentlich möchte ich tanzen gehen, lange Wege im Park zurücklegen und dabei feststellen, dass alles, was ich sehe, tatsächlich und wahr ist. Echt. Er trank seinen zweiten Kaffee schnell, verbrannte sich leicht die Zunge daran, aber der Schmerz störte ihn nicht. Mit weit ausholenden Schritten ging er nach Hause zurück, ich werde Kuros alles aufschreiben, und wieder ein bisschen weiterkommen, ein wenig mehr zurückbekommen, im Inneren war er froh.</p>
<p><em>nicht ständig aber oft, treibt mein ich zu dir. </em></p>
<p>Als Rodeck den Schlüssel ins Schloss schob, um die Tür zu öffnen, ahnte er noch nichts davon, dass sein Hochgefühl sich gleich ins absolute Gegenteil verkehren würde. Er ging hinein, gerade auf seinen Schreibtisch zu. Mit einer Handbewegung fegte er einen Stapel Blätter beiseite, die Seiten flatterten noch kurz in der Luft, bevor sie auf den Boden fielen. Dann griff er nach der Mappe, in der er leeres Papier aufbewahrte. Eine weiße Seite vor ihm. Er nahm einen Stift, schraubte die Kappe ab, und schrieb sauber und langsam in die Mitte der Seite „Dahlia“. Dann legte er es beiseite und griff nach einem zweiten Blatt. Ein weißes Blatt, schoss es ihm wieder durch den Kopf. Er zögerte. Ein weißes Blatt, wiederholte er laut. Er hatte das doch schon mal gesagt oder nicht? Damals, als sie lesend auf der Couch lag. Oder saß sie auf einem Stuhl und sah ihm zu, wie er schrieb? Damals. Darius. Wer zur Hölle war Darius? Und wieso taucht dieser Name gerade jetzt auf? Darius, schrieb er langsam und sauber in die Mitte der zweiten Seite und legte sie beiseite. Griff nach einem dritten Blatt. Darius und Dahlia schrieb er. Dahlia und Darius, schrieb er darunter. Und wieder, immer wieder, bis er es beiseite legte und nach einem vierten Blatt griff. Kuros möchte, dass ich über Dahlia schreibe, sagte Rodeck vor sich hin, also werde ich genau das tun.</p>
<p>Darius, wer auch immer du sein magst, verschwinde. Lass mich in Ruhe. Dahlia. Er schloß für einen Moment seine Augen, versuchte sich ihr Bild ins Gedächtnis zu rufen, aber außer langen braunen Augen war das nichts. Ist das denn wichtig, Rodeck, fragte er sich selbst. Ist es denn wichtig, ob Dahlia braune Haare hatte, blonde, schwarze, rote, oder etwa gar keine? Ob sie groß oder klein war, dick oder dünn? Ich war durch die Straßen gelaufen, hatte ein paar Geschäfte besucht, aber mich entschieden, nichts zu kaufen, schrieb er. Dann kam ich an ein kleines Eckcafe, das mir bereits vor einigen Tagen aufgefallen war, aber ich hatte keine Zeit gehabt. Diesmal, so entschied ich, wollte ich hineingehen, es musste neu sein, oder ich hatte meinen Blick immer abgewendet, es nie wahrgenommen, denn ich ging an dieser Ecke oft vorbei. Sie lag auf dem Weg zur U-Bahnstation, und wenn ich keinen Umweg machen wollte, dann kam ich eben daran vorbei, aber es war mir zuvor nicht aufgefallen. Als hätte es nicht existiert. Rodeck setzte den Stift ab. Wartete einen kurzen Moment. Ich sehe das Cafe noch deutlich vor mir, sagte er laut. Setzte den Stift wieder aufs Papier und schrieb diesen Satz. Von außen betrachtet, wirkte es ein wenig altmodisch, obwohl die Menschen drinnen alle jung waren. Zumindest diejenigen, die ich sehen konnte. Ich öffnete die Tür, ging hinein und blickte umher. Da saß ein Pärchen, ein Mann mit einem Buch, zwei junge Studentinnen.</p>
<p>Und am Tisch links neben der Tür saßen braune Augen. Lange braune Augen, ich blickte sie an und sie sahen mich. Dann ging ich zur Theke in der Mitte. Ob ich bestellen könnte? Weshalb ich instinktiv dort bestellte, anstatt mich, wie üblich, an einen Tisch zu setzen und dort zu warten, weiß ich nicht. Aber das Mädchen hinterm Tresen meinte nur, natürlich, was ich denn gerne hätte. „Orangensaft und einen Milchkaffee“. Ja ich glaube ich hatte das bestellt, einen Saft und einen Kaffee. Ich bringe es ihnen dann zum Tisch hatte sie gesagt, aber ich antwortete, nicht nötig, ich warte hier. Aber ich hatte nicht vorgehabt, hier stehen zu bleiben, in der Mitte. Nein, ich wollte mit den beiden Getränken zurück zu diesem Tisch links neben der Tür. Ich fragte, darf ich mich setzen und sie sagte ja. Dann fragte ich, kann ich Feuer bekommen und sie gab mir Feuer. Schweigend saßen wir am Tisch, bis ich sagte, gehst du mit mir ein Bier trinken, und, ich bin Rodeck.</p>
<p>Er legte den Stift beiseite. Stand auf und ging umher. Unruhig, denn er begriff nicht, wie ihm das Niederschreiben seiner Erinnerung dabei helfen könnte, dass die fehlenden Stücke zurückkamen. Aber ich vertraue Kuros, er wird wissen, was er tut. An der Wand hingen immer noch die Nägel, er fuhr mit seiner Hand über ihr Metall. Und der Lippenstift stand in seinem Bücherregal. Mahnend und erinnernd. Er musste Dahlia gehört haben. Wieso sollte ich mir auch einen Lippenstift kaufen, fragte er sich. Wenn, dann hatte sie ihn vergessen, oder ich ihn für sie gekauft. Also, schreiben. Und er setzte sich wieder und schrieb alles für Kuros auf. Aber immer wieder wanderte sein Blick auf die leere Fläche an der Wand und ein seltsames Gefühl beschlich ihn. Nimm die Tabletten, glaubte er es in sich zu hören. Nimm sie und du wirst sehen, alles wird sich aufklären.</p>
<p>„ich bin nicht verrückt“, sagte er laut, &#8222;und ich nehme die Tabletten nicht&#8220; Und er nahm sich fest vor, Kuros in der nächsten Sitzung alles zu erzählen, zumindest alles, was er wusste und weil er reinen Tisch machen wollte, mit allem, las er die letzten beiden Briefe aus dem Packen seiner Großmutter Clara und ebenso fest nahm er sich vor, diese Briefe Kuros zu geben.</p>
<p>(Rodeck zittert immer, wenn er liest, was in seiner Familie geschehen ist. Er zittert und fragt sich, ob es nicht vielleicht sein muss, wie es ist. Obwohl Rodeck Dahlia nie daraus vorlesen würde, sage ich, es ist besser, wenn man weiß.)</p>
<p><em>Liebste Elise,</em></p>
<p><em>ich lege den Stift beiseite, betrachte die Sätze, die ich geschrieben hatte. Meine Schrift ist unruhig, es gibt einige S, die fast zu einem I wurden, fahrig aufs Papier gebracht. Meine Hand muss gezittert haben, aber ich habe es nicht bemerkt. Ich bin hungrig. Bald, vielleicht in einer Woche werde ich es meinem Mann eröffnen, dass ich schwanger bin. Ob er sich freuen wird? Vermutlich, denn er hatte ja darauf gedrängt, Clara, ich möchte ein Kind von Dir, wieder einmal, bevor er mich roh und lieblos genommen hatte, wieder einmal und für ihn war das Kind eben nur ein Geschäft, ein Abschluss den er erfolgreich hinter sich bringen wollte. Ob er mich dann anders behandeln würde? Ob er vielleicht endlich so etwas wie den Anflug von Liebe in sich finden könnte, wenn schon nicht für mich, dann wenigstens für das Kind. Dass es nicht sein Kind war, wird er nie erfahren. Nie. Erneut durchfährt mich jener Schauer, wenn ich an diese eine Nacht zurückdenke.</em></p>
<p><em>Komm doch zu uns sagtest du zu mir und ich sah dich dort liegen, mit diesem Mann. Sein Körper war schön und jede der Bewegungen, die er seitlich hinter dir liegend vollbrachte, zeigte seine Muskeln, seine Ästhetik. Du warfst deinen Kopf zurück und dein Gesicht verzerrte sich zu einem lustvollen Lächeln, komm her Clara, sagtest du nochmals zu mir. Aber ich stand da, gelähmt und fasziniert von dem Anblick, der sich mir bot, Elise, meine geliebte Elise, die mir stundenlang über die mangelnde Fähigkeit von Männern, ihr Lust zu erzeugen erzählt hatte, bog sich in den Armen eines Mannes und genoss es. Eifersucht durchfuhr mich, denn ich spürte instinktiv, dass ich dieses Gefühl nie in dir erzeugen könnte, selbst mit allem was ich war, würde ich dies nie für dich sein. Und gleichzeitig erregte es mich, dich so zu sehen, denn du hattest mich bereits geöffnet, mir bereits einen Weg gezeigt, der neben dem normalen, konventionellen lag, einen Weg der Lust, den die Gesellschaft in der ich mich befand zwar verachtete, den sie als krank und unnatürlich bezeichnete und von dem sie dennoch wusste, dass es ihn gab. Hätte mein Mann mich doch dort gesehen, gerade hinter der Tür stehend, festgefroren und meine Brust begann sich zu heben, ich spürte, wie die Erregung in mir hochstieg, aber unfähig, auch nur eine einzige Bewegung zu machen, stand ich da und sah zu, wie du deinem Höhepunkt entgegenstrebtest. Als du bereit warst, entfuhr dir ein kleiner Schrei, der sich gänzlich von denen unterschied, die ich von dir kannte, aber jetzt war ich selbst am erzittern, so dass ich mich von dem erneuten Gefühl der aufsteigenden Eifersucht nicht mehr erschüttern lassen wollte. Komm Clara, sagtest du ein letztes Mal, erhobst dich und gingst langsam auf mich zu. Eduard lag da, sein Körper bebte noch leicht, er hatte den Kopf aufgestützt und wartete einfach, lächelte mich dabei beständig an, als wollte er mir sagen, du musst keine Angst haben, ich werde sie dir nicht nehmen, denn heute bin ich da, um euch zu dienen. Du berührtest mein Gesicht und ich stöhnte auf, schmerzlich genoss ich es. Wollte mich in deine Arme werfen, und war dennoch immer noch starr. Clara, meine geliebte Clara, sagtest du flüsternd, während du mir langsam meinen Mantel auszogst, dann die Bluse, den Rock, meine Wäsche, bis ich schließlich nackt vor dir stand und Eduards Blick sich veränderte, als er meinen Körper sah, meinen Augen entging nicht, wie sich sein Begehren äußerte.</em></p>
<p><em>Später lag ich zwischen euch und du hattest mein Gesicht mit Küssen bedeckt, während er mich bog, wie er dich zuvor gebogen hatte.</em></p>
<p><em>Ich möchte hier nicht weiter schreiben, denn ich finde keine Worte für das, was ich erlebt habe. Aber ich wusste, dass ich in dieser Nacht ein Kind empfangen habe, von einem Mann, der selbstlos gab, indem er mich nahm, auf eine Art und Weise, wie es mein eigener nie gekonnt hatte. Als der Morgen graute, erhob er sich und mit einer formvollendeten Verbeugung bedankte er sich, falls wir ihn nochmals benötigten, möchten wir ihm nur Bescheid geben, es wäre ihm eine Ehre gewesen, verabschiedete er sich. Du und ich schliefen Arm in Arm ein. Jetzt war ich eine Frau&#8230;</em></p>
<p><em>Ich werde ihn nie vergessen. Du sagtest, ich werde dich malen, du wirst wunderschön sein, als ich dich im Morgengrauen verließ.</em></p>
<p><em>Warum schreibe ich auf, was mir passiert ist, frage ich mich immer wieder. Mein Hunger wird stärker. Er verändert sich, mein Körper, Elise, ich bin glücklich.</em></p>
<p><em>Mein Mädchen war da, Anna, ich bat sie um einen Imbiss. Anna nickte, natürlich gnädige Frau und für einen Augenblick lang schien es mir, dass ich gemustert worden war und das Mädchen instinktiv von allem wusste. Vielleicht muss ich besser auf meine Tagebücher und die Briefe Acht geben, aber eingeschlossen in ihrem Sekretär und dort in der doppelten Schublade versteckt, von der mein Mann nichts weiß, sind sie doch sicher, oder nicht? Mein Vater hatte mir den Sekretär geschenkt und mich am Abend vor meiner Hochzeit beiseite genommen. Ach Vater, seufzte ich, wo bist du jetzt nur? Komm her, meine Kleine, ich möchte dir etwas zeigen. Dieser Sekretär ist mehr als nur ein netter Platz, um Briefe zu schreiben. Du bist meine Tochter und ich liebe dich über alles, morgen wirst du von hier weggehen und du wirst ihn mitnehmen. Er hatte sich an die Nase gefasst und dabei wie ein kleiner Junge gelächelt, er hat ein Geheimfach, weißt du und ich weiß, dass Frauen so etwas brauchen, ebenso wie ihre Männer. Sei ihm eine gute Frau, eine gute Ehefrau und eine gute Frau und ich hoffe, er wird dir ein guter Mann sein, ein guter Mann und ein guter Ehemann. Die Verbindung ist von Vorteil, und ich wünsche, dass sie vollzogen wird. Aber ich möchte dir auch eine Möglichkeit geben, ein kleines Stück von deinem Leben für dich zu behalten. Deine Mutter und ich, wir leben lange zusammen. Sie hat sicher einmal einen anderen gehabt, so wie ich vielleicht einmal eine andere hatte, oder zwei. Aber sie ist immer noch hier, verstehst du, und das ist am Wichtigsten. Sorge dafür, dass du nicht dein Gesicht verlierst und dann hatte er ihr den Mechanismus gezeigt, der das Fach aufspringen ließ. Wie hätte ich damals als gerade siebzehnjähriges Mädchen wissen sollen, was er damit meinte. Aber ich hatte neugierig und fasziniert zugesehen, wie die Schublade aufsprang, sich wieder schloss und nicht erkennbar war. Dreh an dem Knauf hier, und dann drücke einen Teil des linken vorderen Tischbeins, hatte er gesagt und ich hatte es selbst versucht.</em></p>
<p><em>Morgen werde ich Anna bitten, den Sekretär zu verstellen, so dass das Fach von der Wand ihres Zimmers verdeckt würde. Die Ecke links neben dem Fenster, dort soll er stehen, entschied ich, nachdem ich ein paar Mal im Zimmer umhergegangen war.</em></p>
<p><em>Ach Elise, ich bin hungrig und werde bald noch hungriger sein, während in mir Leben wächst.</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Ich küsse dich,</em></p>
<p><em>Clara</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>XX.XX.</em></p>
<p><em>Liebste Elise,</em></p>
<p><em>Gestern.</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Ich erwarte ein Kind, sagte ich.</em></p>
<p><em>Der Handelsvertreter blickte auf, schweigend hatten wir zu Abend gegessen. Ich erwarte ein Kind, wiederholte ich, beunruhigt, dass er keine Reaktion zeigte. Das ist gut, sagte mein Mann. Das ist schön.</em></p>
<p><em>Ich wusste, du würdest dich freuen, meine Hand zitterte, und ich versuchte meine Aufregung zu verbergen, aber er hatte es sofort bemerkt, wieso zitterst du, fragte er. Bin ich wirklich stark genug, um das alles durchzustehen, Clara, mein Liebes, ich blickte auf, selten nannte er mich so, was hast du?</em></p>
<p><em>Nichts, lüge ich, es ist nichts, ich bin nur müde, ein wenig erschöpft. Du wirst viel Ruhe brauchen, denn dem Kind darf nichts geschehen, hörst du, sagte er, erhob sich und kam auf mich zu. Seltsam, dass er sich so bewegt, langsam, fast sanft, macht mir Angst, dachte ich. In seinen Augen lag Zärtlichkeit, als er seine Hand auf meine Schulter legte, Clara, ruh dich aus. Morgen lassen wir einen Arzt kommen, er soll dich untersuchen und feststellen, ob alles zum Guten steht. Er betrachtete mich und ich spürte seinen Blick auf mir brennen, sieht er, dass ich ihn betrogen habe?</em></p>
<p><em>Ich kann es noch gar nicht sehen, sagte er und dann berührte er mit seiner Hand meinen Bauch, ich wollte unwillkürlich zurückschrecken, als er diese Geste ausführte, aber ich zwang mich, gerade sitzen zu bleiben, seine Hand begann ihren Bauch zu streicheln, dort drin wächst mein Erbe, sagte mein Mann, seine Hand wanderte höher. Steh auf Clara, sagte er heiser und ich gehorchte. Als ich stand, begann er meinen Rock zu heben, aber diesmal tat er es nicht hastig, wie sonst, dachte ich bitter, nein er ließ sich Zeit, um seinen Sieg noch weiter auszukosten. Gehorsam beugte ich mich nach vorn, schloß die Augen undich sah dich. Eduard. Er ließ sich Zeit, versuchte mich zu erregen. Es gelang ihm nicht.</em></p>
<p><em>Dann küsste er meine Schulter,</em></p>
<p><em>jetzt ruh dich aus, sagte er und küsste er meine Wange. Drehte sich um, knöpfte sich die Hose zu und verließ den Raum.</em></p>
<p><em>Wie sehr sich ein Mensch verändern kann, wenn man ihm nur gibt, was er will, dachte ich traurig. Unter anderen Umständen hätte ich ihn vielleicht lieben können, wir wären vielleicht einmal sogar glücklich geworden. Aber er zwang mich dazu, ihm ein Kind unterzuschieben. Mir wurde schlagartig klar, dass ich dich nicht mehr wieder sehen darf, will ich nicht das Leben meines Kindes, dein Leben und mein eigenes gefährden. Fände er heraus, was tatsächlich geschehen war, es würde fürchterlich enden. Ich lag wach in meinem Bett, hielt meinen Bauch mit beiden Händen umschlossen, Elise, ich kann dich nicht mehr wieder sehen, wirst du mir das verzeihen? Morgen schreibe ich dir ein letztes Mal, und dann laufen Tränen über meine Wangen.</em></p>
<p><em>In Liebe,</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Clara.</em></p>
<p>_________</p>
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