Monatsarchiv: Januar 2010

in zehn schritten zum roman?

Weil hier ein sehr verlockendes, sogar kostenfreies Angebot beworben wird …

Erstens, es gibt bereits genügend schlechte Bücher und noch mehr schlechte Autoren.

Zweitens, in zehn Schritten schreiben zu lernen, ist ebenso unrealistisch wie in zehn Trainingsstunden zu Bruce Lee zu werden, auch wenn sämtliche derartiger Filme gern das Gegenteil suggerieren, braucht es doch nur einen guten Lehrer und schon wird aus dem Pausenhof-Prügelclown der nächste Shaolinmönch.

Drittens, Schreiben ist eine Lebenseinstellung.

Viertens, schreibt sowieso der Großteil der Menschheit (wenigstens in irgendeiner Form), nur ist deswegen noch längst nicht alles Geschriebene auch veröffentlichungswürdig.

Fünftens, ist das Autorendasein wirklich wirklich cool, sogar richtig bohemien und nur deswegen wollen es viele machen. Eine Analogie zum Rockstar, der nur wegen der vielen Groupieficks seine Gitarre in die Hand nimmt, ist hier durchaus gewollt.

Sechstens, erscheint (mir, subjektiv) das hier als eine wenig überzeugende Referenz, sich zur Lehrtätigkeit berufen zu fühlen.

Siebtens, ist auch gleichbedeutend mit dem siebten Tag der Woche, an dem der Herr die Ruhe vorschreibt, weswegen ich mir hier einen Argumentationspunkt spare.

Achtens, werden entgegen der Aussage der Website, das Schicksal guter Bücher wäre es, verlegt zu werden, eben gerade zu viele gute Bücher nicht (mehr) verlegt, weil sie vielleicht nicht mit den Erwartungen eines Marketingschefs im Verlag korrelieren.

Neuntens, sollte man fairerweise den noblen Antrieb des Projekts als Pluspunkt einbuchen.

Zehntens, ist der unmittelbare, persönliche Austausch mit anderen Schreibenden, Facetoface, selbst im 21. Jhd. immer noch unabdingbar. Das Klischee vom einsamen Schriftsteller in der Dachkammer ist und bleibt ein Klischee. Wers nicht glaubt, möge doch mal in den Tagebüchern von derartigen Menschen lesen, oder am besten gleich einen lebenden Autor befragen.

Noch Fragen?

(keine?) gelegenheitsprosa – dahlia sagt, ich sage

Dahlia sagt:

Denke ich an Rodeck, dann denke ich seine Träume. Ich glaube zu wissen, wer er war, oder was er für mich war, aber sicher bin ich mir nicht. Als ich ihn bereits näher kannte, sagte er einmal, er würde meine langen Augen mögen, aber ich antwortete nur, Kaffee, bitte, denn es gab keine Alcaselzer im Haus, die Nacht zuvor leerten wir Flasche um Flasche, ich malte ihn einige Male, aber meine Hände waren zittrig und ich tropfte Wein aufs Papier. Rot vermischte sich mit seinen dichten schwarzen Haaren, für einen Moment glaube ich, hatte ich Angst.
Er sah mich dann an, mit seinem flackernden Blick und ich sagte “Dostojewski”
“Bist du glücklich”, fragte er und ich log, „Ja.”
Ich habe ihn nie geliebt und vielleicht wusste er das. Er sagte gelb und ich verstand Rot. Warum ich bei ihm war? Er träumte und anfangs waren seine Träume voller Leben. Bevor.
Bevor er an der Haustür lag, zusammengerollt und blutig geschlagen von zwei Unbekannten.
Der flackernde Blick verschwand und in seinen Augen lag eine Mauer.
Da fing ich an, ihn zu lieben. Nicht übermäßig, oder pathetisch, nicht romantisch, oder im jugendlichen Überschwang einer ersten Liebe, die tragisch enden muss. Muss sie das? Manchmal, denke ich mir, wenn ich Rodeck und seine Augen zu malen versuche, aber das Bild verschwimmt, dann ist es wieder die Mauer. Ich glaube, ich fing an ihn zu lieben, weil ich diese Mauer brechen wollte, um zu sehen, was dahinter lag, und ich hatte Angst.
Ob ich mich recht erinnere? Vielleicht.

Sein Körper war der eines jungen Pferdes, an manchen Tagen.
Er gab sich Mühe.
Die Mauer blieb.
Die Träume verloren an Farbe und er vergaß, sie zu erzählen, so wie ich vergaß, sie zu malen, seine Bild gewordenen Worte. Er sagte, Mal mich Liebe, sie schwieg. Du bist nur ein Snapshot, sagte sie schließlich.
Vor der Mauer. Er griff nach ihrer Hand.
Später, war sie es, die ihn halten wollte. Wie sie als Puppen enden würden, Porzellan und leicht zerbrechlich.
An einer Laterne brach er zusammen, sie hob ihn auf, das Kind. Rodeck, Mann, mit den Kinderaugen. Die Mauer seiner Iris.
„wenn ich nur ein Snapshot bin, warum bist du hier?“ hatte er schließlich geantwortet. Resignation. Moravia. Ich weiß es nicht, Rodeck, sie wollte sein Gesicht berühren, seine weiche Haut, die Bartstoppeln, gegen Strich, sträubend.
Blau bedeutet grün für mich, sagte er zu ihr und sie sah ihn an, in seine Mauer war das Flackern eingegangen.

Ich sage:

Der Fall Rodeck: Zum Tod einer Romanfigur

(auszug oder so)

I. Rodeck träumt

„An einem Sonntagmorgen wacht man auf und hat einen Kater, keine Alcaselzer mehr zu Hause. Auf dem Spiegel steht mit Lippenstift geschrieben, wer bin ich? Tränenkörner verkleben meine Augen und in einer Flasche Rotwein schwimmt noch Kork“, sagte Rodeck zu ihr. Sie lag auf dem Bett, hingestreckt, er erinnerte sich vage an eine Szene aus einem Film den er gesehen hatte, die Bardot fragte müde aber lustvoll, ob der Mann am Kopfende des Bettes denn auch ihren Hintern liebe. Die Bardot war blond gewesen, aber sie hier hatte schwarze Haare und trug sie lang, sie waren glatt. Habe ich nicht damals, als ich diesen Film sah, rote Kissenbezüge gekauft, und mein Bett an einen anderen Platz gestellt, näher hin ans Fenster, der frischen Luft wegen, fragte er sich? “Welcher Tag ist heute“, sagte die schwarzhaarige, nackte Frau und drehte sich auf die andere Seite. „Sonntag. Ein Sonntagmorgen.“
„Ja, aber welcher Tag, komm schon, du weißt doch sicher, welches Datum wir haben, oder?“
„heute ist der vierundzwanzigste März, Sonntag, der vierundzwanzigste Mai“, sagte Rodeck. Sie vergrub ihren Kopf tiefer in den Kissen, er setzte sich wieder auf den Rand des Bettes, fuhr mit seiner Hand langsam die Linie ihrer Wirbelsäule nach. Die Haut war weich, natürlich und fast hätte er erwartet, dass sie gleich schnurren würde, wie eine Katze, die es für einen Moment genießt, dass jemand sich ihrer annimmt. „Weißt du“, sagte er zu ihr, „es ist Sonntagmorgen, ich finde, wir sollten den Tag im Bett verbringen“. Er lehnte sich noch weiter zu ihr, verlagerte sein Gewicht und legte die Beine aufs Bett. Ihre Hand tauchte unter dem Kissen hervor, sie berührte seine Wange. „Rodeck, du bist für mich ein Snapshot. Aber es ist gut, dass heute der Vierundzwanzigste ist und besser, dass es ein Sonntag ist“ murmelte sie schläfrig.

Ihr rechtes Auge war ein bisschen blutunterlaufen, eine geplatzte Ader. „Snapshot – Schnappschuss“, sagte Rodeck sinnierend, „du meinst, ich bin nur ein Moment? Dein Sonntagsmoment?“
„Zum Betrachten ganz recht, aber das ewige Festhalten ist unmöglich“, antwortete sie. Rodeck der Einblick, der Ausblick. Ein lange vergangener Moment mit irgendwann verknickten Ecken, vergilbten Rändern, blasser gewordener Farbe, sorgfältig in ein Album eingeklebt, dann vielleicht vergessen. Einer von vielen, oder ein besonderer? „Du träumst schon wieder, Rodeck“ lachte sie zu ihm hinüber, „wenn du träumst, mein lieber Rodeck, siehst du um Jahre jünger aus“ Sie ließ sich in die Kissen zurückfallen, schloss die Augen. Einen Moment lang betrachtete er sie. Ihre blasse Haut, die sich entspannte. Er zählte sieben größere Muttermale auf ihrem Rücken, dazu einige kleinere, aber es waren sieben, die deutlich zu erkennen waren. Wenn ich zwischen ihnen eine Linie ziehen würde, sähe es fast aus wie ein umgedrehtes „S“, dachte er und lachte in sich hinein. „Was findest du lustig?“ fragte sie ihn, sie hob den Kopf und warf ihm einen Blick über die Schulter zu. Die Muskeln ihres Rückens bewegten sich leicht.
„Nichts. Es ist nichts, manchmal lache ich einfach so“, sagte er.
„ich glaube dir kein Wort.“
„Das würde ich nie wagen“ und schnell beugte er sich vor, küsste ihr linkes Schulterblatt, einmal, dann nochmals, „Wie könnte ich über dich lachen“, fügte er hinzu, „außer, es wäre ein glückliches Lachen?“
„Du bist ein komischer Kauz“, sagte sie,
„aber ich mag dich“.
Er hielt einen Moment inne, hielt seinen Körper, wie er war, es trennten ihn nur einige Zentimeter von ihr. Dunkelhaarige haben oft eine blasse Haut, dachte er.
„Was machst du denn, ich möchte nicht, dass du mich jetzt betrachtest“, sie drehte sich wieder um und zog sich die Decke bis ans Kinn. Der Ernst ihrer Stimme wurde durch den Glanz ihrer Augen gemildert. Sie sah direkt in ihn hinein, was sieht sie denn, fragte er sich. Ihre Wimpern waren lang und soweit er wusste, bog sie sich die Wimpern nicht, sie machte einfach gar nichts, um ihre Schönheit zu unterstreichen.

Aber ist sie denn wirklich schön, oder liegt es nur an mir, an meiner Wahrnehmung, dass ich mich in ihrem Anblick verlieren könnte? Ihre Augen sind lang, schmal und dennoch nicht zu klein. Oft versuchte ich schon in ihnen zu lesen, aber alles was ich sah, was braun. Das Braun ihrer Iris. „Machst du mir einen Kaffee“, nur ihre Lippen bewegten sich schläfrig,

„Draußen ist es schwül“, sagte er.
„Rodeck, ich glaube ich bin glücklich“. Er blickte sie an. Das dicke schwarze Haar hing ihm ins Gesicht, verdeckte es an diesen Stellen und warf Schatten auf seine Haut. Sie griff hinein, zog ihn zu sich hinunter, vielleicht spürte sie seinen heißen Atem auf ihren Lippen, vielleicht kratzte sein Bart an ihrer Haut. „Bist du es auch?“ Frag mich das doch genau in zehn Jahren, genau hier, dachte er. Zehn Jahre. Ein Ding der Unmöglichkeit. Trotzdem breitete sich ein warmes, gutes Gefühl in ihm aus. „Du siehst traurig aus“, sie schob ihre Unterlippe schmollend nach vorn, „wie kannst du hier nur traurig sein, wie kannst du jetzt nur traurig sein?“ – „Ich bin es nicht, nur müde, ein wenig müde“, lächelte er sie an. Er stieg aus dem Bett, ging in die Küche, er wollte doch Kaffee machen. Woher kam die Trägheit, die sich über ihn gelegt hatte? „Rodeck, ich liebe dich nicht“ Ich weiß, antwortete er leise.
Er lachte kurz auf. Ein Frösteln schüttelte ihn. Schieb die unerfreulichen Gedanken beiseite und kümmere dich um den Kaffee, der vor dir steht, schwarz und schwer. „Verwechsele den Strom deines Bewusstseins nie mit deinem Gewissen“, hatte sie zu ihm gesagt. Tage vorher wehte die Nacht kalte Luft durch das Fenster. Mehrere Male schliefen sie miteinander. In den Augen des Anderen sahen sie viel. Zuviel, um es ganz aufnehmen zu können. Zuviel Liebe, auch Schmerz, Lust, zuviel Wut. Und zuviel Abwesenheit von Liebe, zu wenig Mangel an Grausamkeit, dachte er jetzt. Er brachte ihr den Kaffee, sie schlief.
Später wäre er in ihren Augen ertrunken, hätte sie ihn nicht hart an den Haaren gerissen, sein Kopf schreckte zur Decke hoch, fast hätte er fester zugepackt. Dabei war sie zerbrechlich. Und er wollte sanft sein. Aber ihre Schenkel schlossen sich stärker um ihn, ihre Hände zogen ihn näher. Sie war wilder und entschlossener. Aus dem langsamen Schaukeln wurde bald ein ihrem Atem angepasster Sturm. Wir sind zwei junge Tiere mit alten Augen und der vergeblichen Hoffnung in der Zeit Vergessen zu finden, dachte er. Keuchend bog er sie in seinen Armen, sie warf sich auf ihn. Dann lag sie still, er fiel in sich zusammen.
Jetzt sitzen sie beide in verschiedenen Ecken, mit der Angst, uns anzusehen. Er war müde. Gähnte. Sie stand auf, von dem Diwan, deren Kissen er in langer Arbeit zusammengesammelt hatte, „eben sah ich dein Gesicht, wie es sein wird, wenn du ein alter Mann bist“. Er betrachtete ihre Hüften, sie schwingen zu leicht und zu seidig. „Ich hoffe, ich werde dann noch Haare auf dem Kopf haben.“

Vierunddreißig Tage waren alles, was ihnen noch bleiben würde. „Betrachtungen über Darius“ schrieb er auf eine leere Seite. Darius, was ist das für ein Mensch und er entschied sich, ihm einen Pinsel in die Hand zu geben. Er soll das tun, wozu ich niemals im Stande gewesen wäre. Sie malen, immer wieder, bis es das Meisterwerk wird. Schwarz auf weiß, in Öl, als Kubus und als Schnitt, als Collage und als Zeichnung. Er trieb ihn Tage und Nächte lang an; fertige Bilder wanderten unbefriedigt und halbfertige Bilder verzweifelt in die Ecke und es begann von neuem.
Dazwischen liebten sie sich. Dann war er Rodeck und Darius und wusste jedes Muttermal zu finden, es gab keine Stelle, die sein Mund ausließ.
Ihr langes Haar fiel nachtschwarz über ihre Schultern, sie schüttelte lustvoll den Kopf. Er ruhte in ihr, fest und starr. Ein Stein in einem Wasserfall.
Dann malte er wieder und jedes Mal wurden seine Linien sanfter, weniger zerfahren. Wenn er nach einem verzweifelten Akt eine Zigarette nahm, räkelte sie sich noch, er heftete ein neues Stück Leinwand ins Gestell.

Keine Angst vor der weißen Leere, sagte sich Rodeck und setzte den Pinsel an. Sie brachte sich dann behäbig wieder in Position, rauchte manchmal; sein Kopf war nun voll mit Bildern von ihr, Armhaltungen, Blicken, Drehungen der Schultern und Wölbungen ihres Körpers. Er kannte den Geschmack ihrer Brustwarzen ebenso wie die Kuhle ihrer Lendenwirbelsäule und den um einen Fingerbreit längeren zweiten Zeh. Von ihrem Platz aus beobachtete sie ihn aus halb geöffneten Augen, er konnte es spüren. „Fühlst du dich gut, wenn du schreibst?“ fragte sie ihn, „fühlst du dich gut, oder weißt du, dass du dann gut aussiehst?“ Er schwieg.
„Ein Pferd bist du manchmal“ sagte sie später unvermittelt. Er dachte, er hätte nichts gehört, er hätte nur geträumt. Wenn er malte, schwieg sie und hing ihren Träumen nach. „Draußen ist es schwül. Morgen wird es regnen“, murmelte er, sie strich ihm übers Haar. Rodeck streckte sich, „wir müssen arbeiten“ – „Vierzig Minuten hast du nur geschlafen“, sagte sie, „nur vierzig Minuten. Achte mehr auf dich“ Rodeck lachte. „Ich bin nur noch wenige Versuche davon entfernt“.

In der Nacht des dreiunddreißigsten Tages regnete es dann wirklich. In dicken Tropfen schlug der Regen auf dem Asphalt auf, sein Trommeln beschleunigte alles. „Ich bin fertig“, sagte er und sie lächelte erwartungsvoll. „Ich bin fertig,
und ich gehe Zigaretten holen“.

Draußen, es hatte aufgehört zu regnen. Die Straße roch frisch.
Er schreckte unwillkürlich zurück, als er die beiden jungen Männer auf sich zukommen sah. Der Wille zur Gewalt, der von ihnen ausging, legte sich um ihn, hüllte ihn drohend ein. Bleib nicht stehen, mahnte sich Rodeck, sieh ihnen nicht ins Gesicht, wechsle nicht die Straßenseite, provoziere nichts, geh einfach ruhig weiter.
Während er zu Boden ging, wusste er, dass sie gleich fieberhaft in seinen Taschen wühlen würden. Ihr Geruch würde ihn streifen, während sie ihn gierig befingerten und ihm noch mehr Schmerzen zufügten. Instinktiv rollte er sich auf dem nassen Asphalt wie ein Embryo zusammen, bedeckte sein Gesicht mit den Händen, kein Laut kam über seine Lippen.

Niemand würde ihm helfen. Die groben Hände pressten Rodeck auf den nasskalten Boden des Gehsteigs, wühlten immer noch in seinen Taschen, „wo haste dein Geld, alter Sack“, sie begannen ihm zu drohen, „wo haste dein Geld“. Rodeck hielt seine Augen fest geschlossen, seine Lippen fest aufeinander gepresst. Nur nichts provozieren. Denk an Dahlia. An ihr marmornes Lächeln, das sie dir manchmal schenkte. Der Tritt riss ihn hart von ihr weg, irgendetwas in der Nähe seiner Nieren schienen zu explodieren, „kein Geld was, Alter, kein Geld, dafür haben wir was für dich!“
Schmerz breitete sich aus, durchflutete in Wellen seinen Körper. Wellen, die mit den Tritten mehr wurden. Er spürte, wie sie ihn noch anspuckten, dann eilige Schritte, Trampeln auf dem Asphalt.

Warme Flüssigkeit läuft über mein Gesicht. Ich muss zu ihr zurück. Nur kurz ausruhen, ich muss ausruhen. Rodeck. Mein Leben ist zu grau. Warum nicht bunt, warum keine große Komposition? Spröde und blätternd liege ich jetzt im frisch gewaschenen Dreck. Blut läuft über mein Gesicht. Und Speichel.

II. Später,

nachdem er die Tür geöffnet und seinen schmerzenden Körper die Treppe nach oben gequält hatte, kam sie ihm entgegen, baute sich vor ihm auf, „wo warst du Rodeck?“
Ihr Ärger löste sich in Luft auf, als sie das Blut auf seinem Gesicht sah und sein gezwungenes Lächeln, seine zitternde Hand, mit der er sich am weißen Türstock festhielt, sie hinterließ dunkle, schmutzige Flecken.
Da war sie schon bei ihm, stützte ihn, streichelte ihm über die Wange, „ach Rodeck, mein unverbesserlicher Rodeck, selbst jetzt kannst du nicht weinen“; er spürte, wie seine Knie schwammiger wurden, „Rodeck, komm, leg dich hin und dann waschen wir dich, nein, zuerst waschen und dann hinlegen, ah mein Gott Rodeck!“
Er hörte ihre Stimme immer weiter entfernt, aber sehen konnte erstaunlicherweise noch deutlich, selbst die Lamellen im Parkett schienen ihm nun besser hervorzutreten, ihre Unebenheiten ergaben ein Muster mit Sinn, wo habe ich dieses Muster nur schon gesehen, wieso kann ich es überhaupt erkennen und wo ist ihre Stimme geblieben und dann wurde ihm erneut schwarz vor Augen. Er glaubte noch einen Aufprall zu hören, den er sich aber nur eingebildet haben mochte.

Dann klärte sich alles und er spürte eine Nocturne um ihn herum. Rosafarbener Schnee und die Bilder einer Ausstellung, die immer näher zusammenrückten, dazwischen ein Maler, der, tief über etwas gebeugt immer und immer wieder seinen Kopf schüttelte. Langsam trat er näher, konnte den Mann, dessen schwarzes, dichtes Haar einen harten Kontrast zum rosafarbenen Schnee bildete leise murmeln hören, „zu spät, zu spät, es ist zu spät“. Vorsichtig wippte er auf die Zehenspitzen um über seine Schulter zu blicken, dann zuckte er zurück, im rosafarbenen Schnee lag Dahlia, in ein blaues Kleid gewickelt, mehr gewickelt, wie ein indischer Sari, ein rotes Mal auf der Stirn, aber es war unverkennbar Dahlia und der Maler hielt den Pinsel wie ein Messer noch an ihre Kehle gelegt.

Schlupp. Schlupp.
Irritiert hielt er inne, schlupp, schlupp, schlupp, woher kam das? Zwischen Dahlias Knöcheln saß eine kleine weiße Katze und schleckte Milch, die über den Schnee floss, ein kleiner weißer Bach in mitten des Rosa, Schlupp, Schlupp, Schlupp, dabei lächelte sie ihn an, die Katze, aus ihren langen, braunen Augen. Fast glaubte er, er blicke in Dahlias Augen. Braun und lang, wie die ihren. Braun und lang. Rodeck. Noch einmal. Rodeck. Über ihm erschien ihr Gesicht, besorgt, an seine Haut spürte er Kaltes gedrückt. „Rodeck, geht es dir gut?“
„Es geht. Es geht, mach dir keine Sorgen“,
„Ach Rodeck“, schluchzte sie, beugte sich noch tiefer und presste sich an ihn, es schmerzte ein wenig. „Ach Rodeck, du kannst doch nicht einfach umfallen, wie ein alt gewordener Baum“
Sie fing an sein Gesicht mit Küssen zu bedecken, das tut gut dachte er. Muss sie erst denken, sie könnte mich verlieren, damit sie beginnt mich zu mögen, oder mich zu fühlen, fragte er sich. Fast wollte er sagen, liebst du mich nun mehr als zuvor, oder fängst du gerade eben erst damit an?
In ihren Augen lag ein warmer Ausdruck, etwas zwischen Fürsorge und dem Wissen um die eigene Macht und Nützlichkeit und noch etwas mehr, das er nicht einordnen konnte. Aber vielleicht hatte er sich auch nur getäuscht und da war nichts außer Wärme. Ich bleibe noch ein wenig länger, sagte sie noch.

III. Rodeck erwacht,

„Warum trinkst du wenn du traurig bist“, fragte er sie.
„Wenn du aufwachst, warum rauchst du?“
„Weil ich süchtig bin.“
„Wie ich“, sagte sie.
„Sehe ich traurig aus“, fragte sie ihn.
„traurig und betrunken“ nickte er.
Sie versuchte zu lächeln, aber es blieb bei einem Versuch. „Warum siehst du mich an“, wollte sie wissen.
„Ich will dein Bild in mich einbrennen, in mich aufsaugen. Wenn du weg bist, werde ich hier sitzen, wie ich jetzt hier sitze und dann mit dir reden und vor meinen Augen wird dein Bild sein, wie es jetzt hier ist.“
„Die Erinnerung, Rodeck“, sagte sie, „ist das alles was du von mir willst? Sie kann dir helfen zu leben und sie kann dich töten, also was werde ich für dich sein? Traum oder Albtraum? Happy End oder Katastrophe? Sei ehrlich Rodeck, sei ehrlich.“
„Das weiß ich nicht.“
Er blickte zu ihr hinüber, wieder schlief sie. Wenn sie aufwachte, würde sie sicher verkatert sein.
Ähnlich jedenfalls hatte sich gestern der Dialog abgespielt, er wusste das selbst nicht mehr genau. Vor dem Bett standen mehrere leere Flaschen, Wein, Wodka, Bier, überquellende Aschenbecher, ein Skizzenblock lag dazwischen, bedeckt mit Asche und am Rand eingeweicht, irgendjemand musste eine Flasche umgestoßen haben, das Porträt war leicht zerlaufen, das Papier wellig und aufgequollen.

„Ich brauche frische Luft“, murmelte sie, drehte sich dabei wieder auf die andere Seite. „Rodeck, bitte, ich brauche frische Luft.“
„Warte einen Moment“. Er betrachtete ihr schlafverdrücktes Gesicht. Ihre Haut sah jetzt älter aus, aber sein Gefühl war da. Warm, stark.
Rodeck liest ihr dann vor, „ Gemeinsam benutzt: Jahreszeiten, Bücher und eine Musik“, „Bachmann, kenn ich schon“, sagt Dahlia. Hast du deine Tabletten heute genommen, fragt er besorgt, muss ich wohl vergessen haben, mach dir keine Sorgen, antwortet sie, dabei schüttelt sie ihren Kopf wie jemand, der sich über eine gerade eben erst begangene Dummheit ärgert. „Nicht dich habe ich verloren, sondern die Welt“, las er den letzten Satz.
Ach Rodeck, warf sie ihm fast grob entgegen, sei nicht so grässlich emotional.

usw. usf.

Internet = Zeitverschwendung ?

Wer gestern unsere Diskussion zum Thema “Internet, Zeitverschwendung, Kultur, Lebensnotwendigkeit” nicht im Radio hören konnte, kann das nun hier nachholen.
Sendungsmitschnitt
Oder auf der Homepage von ego.fm.

Jörg Fauser Werkausgabe bei Diogenes


sehr schön. lese gerade die rezension zur neuen jörg fauser werkausgabe (zeit, nr2. 2010, “und dazu ein schuss tequila”), dieser satz: “wenn einer anfängt zu schrieben, will er immer mit den sätzen das blau des himmels herunterholen”, ich glaube das ist aus dem essay zu karl günther hufnagel, aber weil ich es nicht (mehr …) genau weiß, bestell ich mir eben diese “neue” werkausgabe. den “strand der städte” aus der diogenes ausgabe verschenke ich dann (per fb-nachricht bitte an mich wenden), habe dieses buch bereits. ehrlicherweise muss man aber dazu sagen, dass der “stadtstrand” bei diogenes nur zwei kleine bändchen umfasst und nicht die gesammelten journalistischen arbeiten fausers.
sei´s drum, 3000 und ein paar zerquetschte seiten jörg fauser dürften mich jedenfalls 2010 ausreichend beschäftigen.

Das Internet als Kulturgut ? Live auf ego.fm

Dieser Frage wird morgen abend von 21 – 23 Uhr nachgegangen – live in der Sprechstunde von ego.fm. (Frequenz 104,0 für München) Mit dabei sind:
Marco Eisenack / Agentur text:bau /
Heiko Gogolin / Chefredaktion Gee /
Jörg Langer/ Chefredaktion GamersGlobal /
Simone Mellar / mijn.monale /
Violette von Rosenweiß / selbstdarstellungssucht /
und meine eigene Wenigkeit.

Einschalten, zuhören, mitchatten.
_________________________________
Zuvor noch dieses Lied hören. Weil es eben so ist. Auch im 21. Jahrhundert noch. (Ich entleihe das riot radio dem Blog von mijnmonale)

Leseankündigung in eigener Sache – Kellergeister meets Jo Lendle und Kristof Magnusson

Kellergeister – Special: München trifft Leipzig

Jo Lendle liest „Mein letzter Versuch die Welt zu retten“
&

Kristof Magnusson liest „Das war ich nicht“

Gäste:
Katrin Baumer und Markus Michalek

Freitag, 29. Januar, 20 Uhr
im Lyrik Kabinett, Amalienstr. 83 (U3/6 Universiät)
Eintritt: 7/4 Euro

„München trifft Leipzig“ heißt es nun schon zum vierten Mal im beliebten Spezialprogramm der Lesungsreihe „Kellergeister“, wenn Studierende, erfolgreiche Absolventen und Dozenten von Manuskriptum, des Creative-Writing-Kurses an der LMU und des Deutschen Literaturinstituts Leipzig ihre neuen Arbeiten vorstellen. Diesmal mit dabei: Jo Lendle, Dozent in München und Leipzig, Kristof Magnusson, Absolvent des Leipziger Literaturinstituts und im Vorprogramm die jungen Manuskriptum-AutorInnen Katrin Baumer und Markus Michalek.

Jo Lendles Roman „Mein letzter Versuch die Welt zu retten“ erzählt von Florian und seiner Clique, die, getarnt als christlicher Kirchenchor 1984 ins Wendland aufbrechen, mit keiner geringeren Mission als die Welt zu retten. In einem Dreiviertelanzug aus dunkelbrauner Schurwolle, verziert mit einem sorgfältig gefalteten Fetzen Schlafanzughose im Revers, kämpft Florian gegen die Atomkraft, gegen das Zwischenlager Gorleben und „ferngesteuerte Gehilfen der Staatsmacht mit dackelfarbenen Schnauzbärten“. Mit dabei Anton, seine beinah erste Freundin. Das erste Mal war zum greifen nah, doch anstatt Anton saß da plötzlich ihre Mutter beim Frühstück und tauschte mit seinem Vater Zärtlichkeiten aus. Am Ende der zwei Tage in Wendland, nach Diskussionen, Ferienlagerstimmung, Straßenblockaden, Polizeirazzien, brennt der Wald, fällt ein Schuss und Florian ist tot … Das tragisch-komische Porträt einer Jugendgeneration zwischen diffusen politischen Idealen, Friedensbewegung und Gewalteskalation.

In „Das war ich nicht“ von Kristof Magnusson kennt Banker Jaspar Lüdemann aus Bochum kein Privatleben, schließlich muss man zwischen dreißig und vierzig für seine Karriere brennen. Gerade ist er an „die Front“ des Händlersaals der Chicagoer Zentrale von Rutherford & Gold befördert worden, als er in ein gefährliches Pokerspiel mit fiktiven Aktienoptionen gerät. Warum muss er sich ausgerechnet jetzt noch in Meike, eine Übersetzerin aus Hamburg verlieben? Die ist vor einer absehbaren neubürgerlichen Zukunft an der Seite eines Mustergatten nach Chicago geflohen um dort „ihren“ Bestsellerautor Henry LaMarck zu finden. Denn ohne das Manuskript seines langerwarteten „Jahrhundertromans“ kein Auftrag. Henry LaMarck indessen, seit der Geburtstagparty anlässlich seines Sechzigsten untergetaucht, hat es satt berühmt zu sein, hat eine Schreibblockade und ist einsam. Doch auch er ist verliebt, in seinen jungen Banker Jaspar, aber der hat mit Henrys 10 Millionen etwas ganz besonderes vor… „Das war ich nicht“ ist ein gewitztes Gesellschaftsstück aus der Zeit „der Krise“, mit einer Schicksalsgemeinschaft dreier liebenswürdiger Aussteiger als Helden, die selbst in der größten Misere hartnäckig ein kleines bisschen Glück fordern.

Jo Lendle wurde 1968 in Osnabrück geboren. Nach dem Studium der Kulturpädagogik und Animation Culturelle in Hildesheim und Montreal wechselte er an das Deutsche Literaturinsitut Leipzig. Er war Herausgeber der Literaturzeitschrift „Edit“ und als Gastdozent an den Universitäten München, Hildesheim und Leipzig tätig. Er arbeitet als Lektor beim DuMont Verlag in Köln. Nach dem Erzählungsband „Unter Mardern“(1999) erschien 2008 sein Romandebüt „Die Kosmonautin“.

Kristof Magnusson, geboren 1976 in Hamburg, machte zunächst eine Lehre als Kirchenmusiker und studierte später am DLL und in Reykjavik. Er erhiehlt zahlreiche Stipendien. Bekannt wurde er durch einige Dramen, u.a. durch das Stück „Männerhort“, das weltweit an über dreißig Theatern gespielt wurde. Kristof Magnusson lebt heute als freier Autor und Übersetzer aus dem Isländischen in Berlin. Sein erster Roman „Zuhause“ erschien 2005.

Veranstalterin: Eveline Petraschka, mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München, des Instituts für Germanistik der LMU, der Stiftung Lyrik Kabinett e.V., des Verlags Antje Kunstmann, der Deutschen Verlagsanstalt, des „in München“ und des Radios M94,5
Veranstalter: Eveline Petraschka, mit freundlicher Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München, des Instituts für Germanistik der LMU, der Stiftung Lyrik Kabinett e.V., des Verlags Antje Kunstmann, des In München und des Radio M94,5

Copyright Buchcover

Bildung einmal anders – Margaret Mitchell

Nachdem mir ein ganz bestimmtes Buch angetragen wurde und der betreffende Buchhändler aufgrund meiner Bestellung doch mehr als fragend seine Augenbrauen hochzog:

Scarlett O´Hara war nicht eigentlich schön zu nennen. Wenn aber Männer in ihren Bann gerieten, wie jetzt die Zwillinge Tarleton, so wurden sie dessen meist nicht gewahr.

Abgesehen davon, dass diese beiden Sätze einen unglaublich guten Anfang bilden – Herr M.D. hatte Recht, als er mir die Lektüre eines echten Pageturners empfahl. Und nach den ganzen anderen Büchern, die ich 2009 in mich hineingelesen habe*, ist das jedenfalls mehr als nur entspannend. Liebe Frau Margaret Mitchell, vielen Dank. Und ja, wenn ich die letzte Seite gelesen habe, dann kucke ich mir endlich auch mal die Verfilmung an. Im Original und falls es sich einrichten lässt, in einem Kino. Versprochen.

________
* die Reihenfolge unterliegt keiner bestimmten Ordnung.
________
Jakob Arjouni – der heilige Eddy => Gelesen und sehr witzig jedenfalls mit einem guten Schuss Gesellschaftskritik.

Henrik Ibsen – Peer Gynt. Ein wunderbares Buch, GELESEN und absolut wert, dass mir die Sonne die Haut dabei verbrannt hat. Allein für den Schlussappell der „knäuel“ würde ich es nochmals tun. Und immer wieder. Sind nicht Wiederholungstäter die Schlimmsten?

Helmut Krausser – Schweine und Elefanten. Starke, geile Sprache, die nicht mit Schlägen ins Gesicht des Lesers (in dem Fall mir) geizt. Nicht ganz so gut wie der höchstverehrte Herr Fauser; aber auf jeden Fall besser als das meiste, was heute so aus dem Buchmarkt rauskommt. Gelesen, aber die nachfolgenden Teile waren es leider nicht mehr so ganz dann.

Henrik Ibsen – Nora => herausfinden, ob es wirklich besser als die Effi ist. Einschub: Peer Gynt jedenfalls ist Klasse. Gelesen. Es ist besser.

Giorgio Agamben – Homo Sacer, Gelesen und gegruselt, aber irgendwie auch darin versunken.

Philippe Djian – in der Kreide, gelesen und mich an eine Tafel gewünscht.

Thomas von Steinaecker- Geister, gelesen, bis aufs (maue) Ende hin ein starkes Buch mit einem „neuen“ Konzept. Ob der Buchmarkt dafür bereit ist?

Thomas Klupp, Paradiso => Tendenz, eines der besten Debüts der letzten Jahre zu sein. Gelesen und die Tendenz war bis auf eine klitzekleine Schwäche im Mittelteil definitiv anhaltend. Thx for that one.

Michael Stavaric – böse Spiele => Gelesen und für überaus gut befunden.

Helmut Krausser – die zerstörung der europäischen städte. Gelesen, kam mir bekannt vor. Fange ich an, senil zu werden? Die Durach-Episode war wunderbar. (Später, in UC wird mir Durach bereits auf die Nerven gehen)

Gilles Deleuze – Critique et Clinique => Gelesen, Gelesen und immer wieder lesen.

Stefan Beuse – Alles was du siehst => Gelesen, um Längen besser als Kehlmanns Ruhm.

Peter Stamm – Sieben Jahre. Gelesen. Eine ganz angenehme Liebesgeschichte, ein wenig zu lakonisch erzählt, aber sonst?

Helmut Krausser – UC. Gelesen. Ein Alptraumbuch. Ein Genie. Aber ein Alptraum. Einer von denen, die man nie vergisst. Bis auf die Erwähnung von Durach ziemlicher Wahnsinn. Im positiven Sinne.

Daniel Kehlmann – Ruhm => Gelesen, bis auf den Mittelteil eher enttäuschend (Inhalt). großartig aber das „neue“ Erzählkonzept.

Christian Zehnder – Gustavs Traum. Gelesene Lyrik.

Alexa Henning von Lange – Peace => Lesetipp geschrieben und den Roman gleich nochmal lesen, um heraus zu finden, ob ich an denselben Stellen lachen muss. Gelesen, jetzt die Moderation vorbereiten.

Peter Sloterdjik – Die Verachtung der Massen. Böses, böses Buch gelesen.

Norbert Gstrein – Anderntags. Gelesen und mir wieder einmal gedacht, dass das Land von Haider und Co. doch auch ein fruchtbarer Boden für Literaten ist.

George Bataille – Das Blau des Himmels. Porno, Porno, Porno und ein guter Schuss Ennui, decadence, revolution. Fieberwahn. Schön. Gelesen und mich fieberhaft nicht dabei gelangweilt. Es gibt einen guten Foucaultaufsatz zu Bataille, den sollte ich mir mal organisieren.

Sascha Lobo und Katrin Passig – Die Dinge geregelt kriegen (ohne eine Funken Selbstdisziplin) => eine Liste mit Freunden erstellt, die dieses Buch definitiv lesen sollten. Und einige Dinge geregelt bekommen. Danke ihr Lobos. Gelesen und irgendwie sieht mein Schreibtisch trotzdem aus wie…

Rainald Goetz – fünfbändige Geschichte der Gegenwart (Rave, Celebration, Abfall für alle, Dekonspiratione, Jeff Koons), wieder lesen, Recherchezweck. Herrje, Elektro aus der Box, Beat auf dem Blatt. Gelesen. Gefahren. Fährt.

Gilles Deleuze, Kino 1 und Kino 2 => „Einfacher“ als mille plateaus aber immer noch schwere Kost, vor allem wenn es um den Status „gelesen geht“. Aber – Gilles du Genie! brauchbare Kinoliteratur.

Gilles Deleuze, Unterhandlungen => Die perfekte Ergänzung zu critique et clinique und mille plateau

Andre Malraux – la conditione humaine. Deftig, wirklich deftig, selbst wenn ich jetzt sage: gelesen.

Bertold Brecht: Maßnahme. die gute alte Maßnahme. Gelesen und genossen.

Lawrence Durrell -Bittere Limonen, schwer und langsam aber irgendwie auch schön. So schön, dass ich es trotz dem Status „Gelesen“ noch auf dem Schreibtisch stehen lassen möchte.

Eine ganze Palette Linguistikbücher, die ich lesen muss, aber nicht lesen will. Philosophische Betrachtungen dazu spare ich mir an dieser Stelle.

Peter Thompson, Anthony Delano – Maxwell a Portrait of Power, gelesen. Sehr interessant.

Andreas Neumeister – Könnte Köln sein, seitenweise Architektonisches in Prosaform. Die Stimmung muss stimmen.

nn., nn. => gelesen und ne Menge anderes Zeugs.

1001 Wege Liebe zu machen

… denn die Liebe ist abwesend an manchen Tagen. Tuli Kupferbergs Buch von 1969 schafft Abhilfe und liefert 1001 Gründe, Liebe zu machen. Inmitten von Chaos, inmitten von Jahrausputz, zufällig aus einem Gedanken heraus eine Seite aufgeschlagen:

Nachtrag: Der Kringel um Nr. 502 war einer unserer Einleitungssätze für eine “vom boden unserer kammern”-Lesung, ich glaube diese hier… und davon wird es auch 2010 wieder einiges von Kreuzmair, Langer-Philippsen und mir zu hören geben. Dann aber in einem leicht abgeänderten Format, inkl. weiblicher Begleitung.

Nachtrag II: Lust auf ein Buch wie das oben erwähnte? Dann mal hier anfragen.