Monatsarchiv: Juli 2009

gelegenheitsprosa – lavapoesie

die hitze der tage und nächte ist kaum zu ertragen, man wünscht sich mehr als nur einen kühlen luftzug. man schreibe ich und meine viele, du, ich und noch ein paar andere, was wir ergibt.

nachts blieb ich den geräten fern und hielt mich an büchern fest, um mich abzukühlen, nur, es gelang mir nicht. dass man an solchen heißen tagen viel trinke solle, um dem möglichen tod zu entgehen, habe ich nie beherzigt, ich zog es vor, mich zu dehydrieren, um meine deliriumserfahrungen fortzuspinnen – wie auch das gespräch mit dem arzt gewesen war, der sorgsam die paar flecken rotwein vom tisch wischte, ehe wir uns wieder dem alkohol und unserem eigentlichen thema, benzedrin und seinen verwandten, widmeten. Viel zu sprechen war da gewesen, nach langer zeit des wiedersehens in dieser nacht, die kleine kneipe, ehe uns die lust durch die stadt umtrieb, bis hin an diesen kleinen, weißen rundtisch, der mit schandhaften rotweinflecken verziert wurde – umgehend weggewischt, die augen blieben ungestört, unsere worte aber waren angefixt, am ende waren alle themen durch, von a wie schwanz bis z wie gott.

Der Hofgarten lag still, ich nahm mir ein taxi vor charles´ bar, wollte die leeren straßen nicht ertragen und meinen müden körper zu hause wissen.

Und als ich mit geschwollener zunge einschlief, vor dem ewig leise surrenden rotorblatt meines ventilators, da träumte ich schlecht.

die hitze der tage und nächte lähmt mir die finger, die zunge, den intellekt und selbst das schreiben fließt nur zäh und langsam aus mir heraus, lavapoesie und dickflüssige prosa, nicht leicht, wie ich es gerne mag. ich möchte fort von hier, fort aus der celsiusgeschwängerten stadt, fort in ein schattiges land mit kühlen menschen, um dann über die zukunft dieses blogs nachzudenken.

denn else b. hat recht behalten.

ich sollte öfters dichten

dann wäre ich ein wenig mehr in übung.

gelegenheitsprosa – wie es war und wie es sein wird

diese tage sind so gefüllt mit arbeit, dass ich fast nicht zum schreiben komme. zum richtigen schreiben, mit herz und seele meine ich. nix für geld, nix fürs ego, nur für das leere blatt, das neue dokument, du und ich, zwei alte kontrahenten in langen jahren.

wann habe ich das letzte mal zeit gehabt, in einem buch zu lesen, richig zu lesen, nicht nur zwischen einem espresso und dem zweiten, oder in den zehn minuten, ehe die öffentliche kommt? ich erinnere mich, wie es war, auf einer grünen, mondänen englischen couch zu liegen, die füße hochgestreckt, an die drei stunden in einer position zu verharren und seite um seite geduldig weg zu sein. hin und weg, unerreichbar fort, keine emails, keine anrufe, nicht einmal mitbewohner, die zur tür hereinkamen, draußen hing die rote fahne mit dem hammer und dem sichel, sonst nur für (frauen)besuch üblich, habe ich sie zweckentfremdet.

ich hatte noch kein pseudonym, zumindest nicht im tagtäglichen gebrauch, c/o Kapinski war noch nicht vonnöten. ob ich jetzt sei, wo ich hinwollte und ich sagte noch nicht ganz.

weil man nie ganz dorthin kommen kann, wohin man möchte.

eben wie es war und wie es sein wird.

vom boden unserer kammern – the next session

Vom Boden unserer Kammern – the next session

Beat…

P o p…?

R e v o l u t i o n…?

A b s t u r z…?

S e x…?

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D e c a d e n c e..!

… gibt schließlich 1001 Wege, Liebe zu machen! (Tuli Kupferberg)

vom boden unserer kammern, the next session ist zu finden am:

10. Juli

21:21 h und früher, falls wir dekadenterweise früher anfangen…

Tagesbar m 851

Schellingstr. 24.

Wie üblich – Eintritt frei und dekadent musikalisches ab 23:00, garniert von mlphilippsen.

Livestream zur Lesung hier und vorher schonmal was zum reinhören.



decadence
… den Text hören, sich weiter unterhalten, wieder zuhören, neugierig

werden was das ist – Literatur vor Ort eben, die zeitgleich live über

den Äther gesendet wird.

… zwei junge Münchner Autoren, Elias Kreuzmair und Markus Michalek

veranstalten zusammen mit dem Radiokünstler Marold Langer-Philippsen

die Radioliteratur-Reihe „Vom Boden unserer Kammern“.

… neben den Texten bekannter und berüchtiger Schriftsteller wird

jeweils ein eigener Text, passend zum Thema der Lesung vorgestellt –

dazu gibt es Musik und musikalisch-literarische Beiträge aus dem

kreativen Tonkopf von Marold.

… welcher Text bewegt uns gerade, wenn finden wir gerade gut. In

welchem Kontext sehen wir uns? Den Raum der Literatur verorten, wo

kommen wir her, wo wollen wir hin: Ein Outing, in dem die Grenzen der

Privatsphäre fast aufgehoben sind.

Anm:

Beim letzten Mal flog ein Buch in den Raum, frei greifbar für jederfrau und jedermann und eine kamera warf einen blick zur tür herein. Was diesmal passieren wird, wissen weder wir noch gott.

Gelegenheitsprosa – wir und noch ein paar andere

Weil ich gerade vor Arbeit ersticke und das mit Freude, schreibe ich diesen Text.
Weil ich gerade im Kopf schon tausend andere Gedanken habe und nicht einen wirklich geschrieben kriege, schreibe ich diesen Text.
Weil ich gerade vollgefressen und mit einem dick geblähten Bauch auf der Bank vor meinem Elternhaus sitze und dem Alpenhimmel beim Verschwinden in die Dunkelheit zu sehe, schreibe ich diesen Text.

Foto 14
ich: Der Mensch hat gefälligst produktiv zu sein, was löste sich da eine Diskussion die Tage davor. Weil es im Wechsel regnet, sonnet, kältet, wärmt, ist es egal, wo ich beginne.

wir: wie wir geschrieben haben, zwischen dem rauch der zigarette und dem rauch aus unseren köpfen, am ende kam ein reim dabei heraus, keiner der feinen art, eher etwas zerstörendes, bösartiges. weil das leben manchmal zerstörend und bösartig ist, soll dieser reim am leben gehalten werden, wir streuen ihn über den äther, mit unseren verätzten zungen, zu gegebener zeit.

ich: das jahr ließ sich gut an und partielle durststrecken wurden durch den puren hedonismus, der ein sinnbild unserer zeit widerspiegelt, überbrückt – dass am nächsten morgen das hirn schief hing und der blick dumpf war, dass es besser gewesen wäre, ihn mit dunklen gläsern zu verhüllen, kümmerte niemand.

wir: da war ein beat, der von irgendwoher seinen weg in unser ohr gefunden hatte und sich dort ohne grenze und rücksicht auf verluste austobte. denn wo geschaffen wird, da wird auch zerstört. wer fragt schon nach dem preis für ruhm, wenn er den ruhm haben kann?

ich: wie lange war es her, dass ich in einem hotel gewesen war und dann gleich in einem solchen? wo man auf dem dach in der sonnenbeschienen terasse vor lauter luxus altgewordenem fleisch beim verwelken zusehen konnte und die uhr danach stellen mochte, du hier noch 15 minuten, du dort noch drei und du da hinten, du hast noch eine jahreszeit!

ich: wie es sich auszahlte, dass vor dem spiegel unermesslich ein arrogant-distanziert und vor allem mit dem nötigen schuss langweile versehene blick, der jederzeit in helle begeisterung umschwanken konnte, geübt worden war, so dass niemand die leere deiner taschen sehen, das fehlende klingen von münzen oder das durch seine abwesenheit glänzende rascheln von geldscheine hören konnte, während man zusammen saß und sich unterhielt, niemand wäre auf den gedanken gekommen in dir eine gescheiterte existenz, wie man für gewöhnlich die schriftsteller zu nennen pflegte, zu sehen.

wir: es hat deiner eitelkeit geschmeichelt, dass der ältere, erfahrene dich junger kollege nannte, nicht?

wir: was wirst du tun, wenn der winter kommt und du auf die jahre der pfründe zurückblickst, voll und fett wirst du geworden sein und vom guten leben weißt du nicht mehr.
dann denk an dieses bild, wenn der hunger an dir nagt.

wir: wir haben gelebt und wir haben geliebt und wenn ich wir schreibe, dann meine ich mich und noch ein paar andere.
(in freier anlehnung an das deleuzsche vorwort zu mille plateau)
ich: Und weil ich gerade Proust lese, mal wieder, sind meine Sätze etwas länger heute, morgen und vielleicht auch noch die nächsten tage.