Unilife oder Kapinski nimmt einen Drink an der Bar

Leseankündigung in fremder Sache – Jasmin Ramadan liest aus Soul Kitchen / Kellergeister München

November 20, 2009 · Kommentar schreiben

JASMIN RAMADAN LIEST AM 24. NOVEMBER IN MÜNCHEN

»Jasmin Ramadans Roman ist das fehlende Puzzlestück, er macht die Geschichte
meines Films rund. Dabei sprudeln die Ideen nur so aus ihr heraus, herrliche
Geschichten, auf die ich nicht gekommen wäre. Sehr witzig, sehr traurig,
sehr frivol.« FATIH AKIN

»Was aber wünschen wir dem geschätzten Fatih Akin? Daß er sich für seinen
neuen Film, der am 25. Dezember hier anläuft, warm genug angezogen hat. Um
mit dem Roman von Jasmin Ramadan mithalten zu können.« Franz Dobler, JUNGE
WELT

Dienstag, 24.11.2009
20 UHR

Soul Kitchen. Der Geschichte erster Teil – das Buch vor dem Film
Kellergeister-Special „Beste Erste“
Lesung mit Jasmin Ramadan
Gast: David Vondracek
Moderation: Nina Berendonk

München | Theater und so fort | Kurfürstenstr. 8 | www.undsofort.de
Abendkasse: 7/4 Euro

Eine Veranstaltung von Eveline Petraschka und Blumenbar.
Mit freundlicher Unterstützung des Instituts für Germanistik der LMU, des in
München, des Radios m94,5 und der Buchhandlung Lehmkuhl.

→ Einen Kommentar schreibenKategorien: Bildungsarbeit · Boheme · Lesbar · München · Schreiben und Lesen · autorenkollegen/Innen · bonvivant · dichtet und denket · kurios und wunderbar · lesearbeit

eine für 45 tage – poet in residence @100tagebuecher

November 17, 2009 · 1 Kommentar

#8 was morgen passieren wird (vielleicht)

… auf der Reise dann, endlich. Wo kurz zuvor noch das Bahngleis gewartet hatte, leer und mit einem unbekannten Ende. Gibt es ein Ende des Schienennetzes, irgendwo, in diesem Land, fragte er sich.

… man bat um seinen Ausweis, als der verschlafen der Bitte nicht schnell genug nachkam, wurden die beiden Herren, zu denen auch eine Dame zählte, nachdrücklicher, versperrten die Tür zu seinem Abteil. Die Prüfung seiner Identität dauerte ungewöhnlich lange. In der unhörbaren Stille seines Kopfes ging er chronologisch alle Straftaten durch, die er begangen hatte. Woran er sich erinnerte, war nicht erwähnenswert oder längst verjährt. Dass emotionale Straftaten durch das Gesetz verfolgt würden, davon war ihm nichts bekannt.

… nahe der Grenze stiegen andere zu, von den ehemals fünf freien Sitzen waren nun vier belegt, sodass es unbequem geworden war. Die Beine nicht mehr auszustrecken und auf gegenüberliegenden Sitzfläche abzulegen, empfand er als einen großen Nachteil. Ebenso den schwitzenden Körper des Mannes neben sich, der zudem noch roch. Zuerst kaum wahrnehmbar nur, aber bald blieb ihm nichts anderes mehr übrig, als den Kopf zum Fenster hin zu drehen und seinen Würgereiz zu unterdrücken.

… nach den Bergen kam das Meer, als der Zug aus einem der Tunnel zurück ans Licht fuhr, breitete es sich vor seinem Auge aus. Der riechende Mann war längst ausgestiegen, bis auf eine ältere Frau war sein Abteil leer und er genoß den Anblick der Wellen, die an Klippen brandeten, während der Zug an deren Kante entlang fuhr. Er glaubte, das Meer bereits zu riechen und drückte seine Nase gegen die verschmierte Scheibe des Abteilfensters. Das Profil der alten Frau spiegelte sich, als er sah, wie sieseelenruhig ein belegtes Brot aß, wurde ihm klar, dass er selbst seit Stunden hungrig auf diesem Sitz verharrt hatte. Sie aber kümmerte sich nicht um ihn und biß mit ihren spröde gewordenen Lippen immer wieder kleine Stücke ab, auf denen sie lange und regelmäßig kaute. Sein Hunger wuchs und  der Zug fuhr durch dunkle Tunnels, kam wieder ans Licht,  aber er fürchtete die Dunkelheit nicht und wartete nur auf den Moment, bis die Wellen erneut auftauchten.

… vom Meer weg ging es wieder ins Landesinnere, flache Hügel mit korngelben Weizen und sattgrüne Wiesen, bis aus dem Grün schließlich ein grünbraun wurde.

… in die Stadt hinein, die einzelnen Waggons ruckten, als sie über die eigens für die Einfahrt gestellten Gleise fuhren. Er würde sitzen bleiben, wartend, bis eine Lok ans andere Ende des Zuges gespannt, die Reise zurück ginge. (vielleicht)

→ 1 KommentarKategorien: Bildungsarbeit · Buchladen · Lebensarbeit · Lesbar · München · Poet in Residence · archivarbeit · autorenkollegen/Innen · blickwinkel · daily life · gelegenheitsprosa

leseankündigung in fremder sache – mulitmediale Lesung // mit einem hauch von zimt

November 17, 2009 · Kommentar schreiben

 

Weihnachten steht vor der Tür und wer als Kind noch glaubte, Santa Claus wäre der nette Mann aus dem Rentierland, wird definitiv eines Besseren belehrt.

3.12.2009

Bar NIEDERLASSUNG, Buttermelcherstr. 6, München.

20h, 4 Euro Eintritt.

Multimediale Lesung

mit einem Hauch von Zimt.

Bei Facebook vormerken hier.

Die da lesen sind absolut keine Unbekannten in der Münchner Szene und auch diesmal gibt es wieder Special Gäste aus der Schweiz:

Die Münchner Tobias Heitzer, Volker Keidel, Felix Bonke sowie die Schweizer Die DiVa und dani L. Deef Pirmasens steuert u.a. den Klassiker Das Geschenk der Weisen (Reklamelink zu Amazon) von O.Henry in der deutschen Fassung von Theo Schumacher, mit freundlicher Genehmigung des NordSüd Verlags, CH-8005 Zürich, bei. Wie immer mit der genial-medialen Untermaltung in Bild und Ton von VJ gently.radical.

Hingehen, Freunde der multimedialen Literatur !


 

→ Einen Kommentar schreibenKategorien: Bildungsarbeit · Lesbar · München · Party · Schreiben und Lesen · artists · autorenkollegen/Innen · blickwinkel · die schöne seite des lebens · frei zeit · good old friends · lesearbeit · music

Notiz zum Internationalen Filmfest der Filmhochschulen 2009 – the subtitle girl, four und ein Trabbi namens Dolce Vita

November 16, 2009 · 1 Kommentar

Vorbemerkung:
Kurz vor Beginn des, zumindest für mich ersten Programms: Oben, im ersten Stock des Filmmuseums ein wildes Sprachengewirr, meist aber Englisch, mit den verschiedensten Akzenten. Und zuvor auf dem Weg ins Gebäude: der Altersdurchschnitt ist angenehm jung, bei einem Internationalen Filmfest der Filmhochschulen soll das auch so sein. Dazu, hübsche Mädchen, von coolen Jungens umlagert und vice versa, liebäugelt, flirtet und diskutiert man sich durch das Gespräch und in erster Linie dreht sich alles um eins: Film (machen, sehen, drehen, lieben, hassen, verehren, konzipieren, diskutieren etc.) Und genau so, nicht anders, muss es sein.

Auf der Leinwand dann (in nicht chronologischer Reihenfolge):

The Subtitle Girl
subtitle_girl.jpg
Der Plot ist schnell erzählt. Ein junger Mann namens Louis wachte eines Morgens auf, an diesem Tag gab es nicht besonders viel zu tun für ihn. Und während er unterwegs ist, Zigaretten zu kaufen, fällt er den Entschluss sich zu verlieben. Als könnte man sich zur Liebe entschließen, aber der gerade erst 21-jährige Regisseur Goncalo Soares scheint genau das zu können. Die Zitate aus Pop (Bob Dylan, David Bowie, the Doors) und Klassik (6. Sinfonie von Beethoven) jedenfalls schaden diesem Film in keinster Weise, ebenso wenig die gekonnt eingesetzte SchwarzWeiß-Ästhetik. Im Gegenteil und selbst das Geständnis von Soares, er hätte sich in Sachen Regiehandwerk an Kubrik orientiert fällt nicht negativ auf ihn zurück – denn im Kino gilt schließlich: Alles ist möglich, es muss nur gut gemacht sein.
Sicher einer der beiden stärksten Filme im Programm 3. Das liegt definitiv nicht nur an der Tatsache, dass Subtitle Girl auch eine gelungene Hommage an den Nouvelle Vague, insbesondere an Godard und den für Cineasten unsterblichen Film a bout a souffle ist. Ein großartig gefilmter, vor allem aber auch erzählter Film, mit einer weiblichen Hauptdarstellerin, der ihr Schmollmund mehr als gut steht.

Four
FOUR.jpg_13102009175138
Doppelt hält besser, sagte meine Großmutter gern. Für Paare gilt in dieser Hinsicht, zu viert ist manches leichter als zu zweit. Eine turbulente Komödie im LSD-farbenen 70er Jahre Trash Stil, die das Publikum von der ersten Minute an in ihren Bann zieht.

Dolce Vita
DolceVita.jpg_16102009163653 Eine Dokumentation über einen Swingerclub nahe Leipzig. Um es vorweg zu nehmen, wer getreu billiger Pro7 Manier erwartet, er würde hier das ewig alte Rein-Raus-Spiel von 40-jährigen zu sehen und dabei auch noch seiner voyeuristischen Ader genügen, wird bitter enttäuscht. Nicht einmal ein einziges Paar Brüste gönnt uns Regisseur Michael Schwarz, denn die subtile Erotik, die im Film vorhanden ist, hat andere Wurzeln. Und das ist gut so! Er zeigt, dass auch die intimsten Bereiche unserer Gesellschaft seriös ausleuchtbar sind – und wer wissen will, was es mit dem Trabbi namens „Dolce Vita“ oder der Ost-West-Wiedervereinigungsparty auf sich hat, wie sich Swingen seit dem Beginn Anfang der Neunziger verändert hat und in welchem Zusammenhang Essen und Sex jetzt tatsächlich stehen, der sollte sich diesen Beitrag dringend ansehen. Andrea und Wolfgang, die beiden Betreiber des Clubs, verleihen diesem Thema allein durch ihre Stimmen mehr Tiefe und Authentizität als es 10 Jahre „Wahre Liebe“ geschafft haben. Dolce Vita, definitiv der andere starke Film des Programms, was sich nicht nur an der leise geflüsterten Frage eines Mannes im Publikum „Schatz, bin ich auch so zu dir?“ äußerte.

_________

Nachtrag:
Ansonsten in diesem Programm ein sehr nett gemachter, kurzer Animationsfilm in einer Welt aus Papier und zwei Beiträge aus Fernost. Einer gut, einer weniger gut, da viel zu lang. Was beide Filme aber verbindet, ist der Einsatz extrem kitischiger Pianomusik bei zugleich steigendem Pathos. Hier gilt ebenso wie in der Literatur: weniger ist oft mehr!

Das Programm 3 wird am Mittwoch, den 18.11.2009 um 22h wiederholt.

→ 1 KommentarKategorien: Bildungsarbeit · Filmfest · Genußsucht · München · art · blickwinkel · bonvivant · career · cinematique · heroes · herzschmerz · insider · kiez · media · networking

Notiz zu: Internationales Filmfest der Filmhochschulen München 2009

November 15, 2009 · Kommentar schreiben

Die Akkreditierung ist besorgt, das Programmbüchlein gewälzt und eine erste Auswahl getroffen, must see. Was davon tatsächlich gesehen wird, entscheidet wohl der Zwang des Alltags. Dem zu entkommen, dürfte nicht immer möglich sein, aber es sollte so oft wie möglich passieren:

IFFH_Plakat_2009_300

Montag: subtitle girl, four im Programm 3, the incredible story of my great grandmother olive im Programm 1

Dienstag: ghosts im Programm 2

Mittwoch. frei tag, weil schreib tag

Donnerstag: time within time, shri baron von desquamat & conqueer the great im Programm 5, plan b, tears of the sun im Programm 8

Freitag: Janna & Liv,  im Programm  9, London Transfer, im Programm 10

Samstag: Award winning films (unter Vorbehalt)

Das hier soll kein Ranking sein, jedoch eine erste Vorauswahl widerspiegeln. Die Filme werden in Programmblöcken gezeigt, jeder davon einmal wiederholt. Jeder Programmblock enthält weitere Filme, die vielleicht ebenfalls gesehen werden.
___________________
Mehr übers Filmfest gibts:
auf dem offiziellen Blog
auf der Homepage
zur Filmfest-Twittesse

______

Nachtrag: Als Blogger konnte ich mich zwar akkreditieren – die Teilnahme an der Eröffnungsveranstaltung blieb aber versagt. Dabei wäre doch gerade das mit großem Interesse verbunden gewesen. Es bleiben ja glücklicherweise noch einige andere Möglichkeiten.

→ Einen Kommentar schreibenKategorien: Bildungsarbeit · Boheme · Filmfest · Kommentarfunktion · München · Party · archivarbeit · art · artists · blickwinkel · bonvivant · cinematique · daily life · die schöne seite des lebens · exkursiv · frei zeit · horizont · kurios und wunderbar · media · networking · showtime

Leseankündigung – in fremder / eigener Sache

November 11, 2009 · 2 Kommentare

Weil aber auch dass es für die Literatur in München ein gutes Wochenende wird, das morgen Abend, Donnerstag 12.11. schon beginnt! Mit Hertha Müller in der LMU.
Lesetisch2
Freitag, 13. November dann:

10 Jahre junge Literatur made in München ––––––– manuskriptum feiert Jubiläum !

Mit dabei: Jens Petersen, Thomas von Steinaecker, Fridolin Schley, Daniel Grohn, Christopher Kloeble, Julia Zange, Lena Gorelik und weitere, „ungedruckte“ Absolventen aus den letzten drei Kursen.

Moderation: Thomas Meinecke, Thomas Tebbe (Piper Verlag) und Eveline Petraschka.

Wo: Große Aula LMU, Geschwister Scholl Platz 1
Abendkasse und Einlass ab 18:30h !

Wer mehr wissen will – weitere Infos gibt es hieroder bei facebook.
__________________________________

Und am Samstag?
Wer nach noch mehr Literatur verlangt, dem sei am 14. November außerdem das Literaturhaus empfohlen – dort feiert das „Textwerk“ Jubiläum.

__________________________________
Sonntag schließlich: Sei die Ruhe des Herrn gegönnt. Oder die 50. Bücherschau im Gasteig. Ich rate zu letzterem.

→ 2 KommentareKategorien: Bildungsarbeit · Boheme · Genußsucht · Lebensarbeit · Lesbar · München · Party · Pathos · Schreiben und Lesen · Sex · Unilifelive · University · art · autorenkollegen/Innen · bonvivant · career · dichtet und denket · die schöne seite des lebens · frei zeit · gelegenheitsprosa · good old friends · good old times. · heroes · horizont · in eigener sache · kiez · lesearbeit · networking · poem · schreibarbeit · showtime · tales

eine für 52 tage @poet in residence

November 10, 2009 · 1 Kommentar

#7 halbzeit, fast

die stimme von jacques dutronc im raum, fast forward progressive sound nannten wir das früher, andere wiederum zogen das etabliertere french ye-ye vor, sagt der ältere mann, der vor mir steht. wann früher für ihn gewesen sein mochte? auf seinem arm, diese kraft hätte ich ihm nicht mehr zugetraut zwanzig bücher, nein einundzwanzig, und ein halbes, der kleine gedichtband fällt kaum ins (tatsächliche) gewicht.

auf dem kassentisch liegt ein kleiner batzen weltliteratur, der jetzt seinen besitzer wechseln wird.

halbzeit fast, denke ich mir / also wirklich ich, das richtige ich, das ganze, mit all seinen facetten / und dass das verdammt schade ist. man soll den tag nicht vor dem abend loben, heißt es auf dem land und dass ein glas immer halb voll aber nie halb leer ist. und dennoch ist die halbzeit immer ein bewegender punkt, der zweite block einer veranstaltung nach der pause, wenn alle voll, beschickert und erwartungsschwanger auf ihre plätze zurückkehren. der moment, wo man die tage zählt, die noch bleiben, nicht jene, die schon vergangen sind.

an diesen tagen denke ich / also nicht das wirkliche ich, das richtige ich, das ganze, mit all seinen facetten, das also nicht / dass ich träume. so wie ich heute morgen nach dem erwachen wieder mann war (bereits vergessen: was zuvor dann?) und mit jener träumen innewohnenden traurigkeit spüren musste, dass es sich bald dem ende nähern würde. … ihre Seele war mit mir in den Bergen und auf einem Hügel südlich der Millionenstadt liebten wir uns im Mondschein. Obwohl der frostige Nachttau des kommenden Winters bereits die Luft, den Boden, selbst uns befeuchtete, froren wir nicht. „Nur dieses eine Mal“ sagte sie, und dann stieg sie auf mich und schüttelte ihr langes schwarzes Haar, Jade rieselte auf mich herab. Unser Atem ging schnell, am Horizont zeigte sich später der Strahl einer spätherbstlichen Sonne, nur dieses eine Mal und es war vorüber; aber traurig war ich nicht, nur lebendig und die anderen würden mit mir glücklich sein, wenn ich ihnen von der Jade erzählte, die sie in sich trug. Sie sagen „Oh-K“, die Jade, es ist auch ein Name, eine seltener, ein klingender; er entsteht, wenn man seine Lippen weich werden lässt und ein zarter Hauch Luft strömt aus ihnen hervor. *wo es ebenfalls eine halbzeit gewesen war, eine gelesene nur, aber halbzeit bleibt eben –

„Wiedersehen dann!“

… blicke dem älteren mann hinterher, wie er seine bücher nach irgendwo schleppt. wir werden uns sicher wiedersehen. ich weiß das.

____________________________________________________
* Aus: Frau Muda trinkt gerne Wodka

→ 1 KommentarKategorien: 100tagebücher · Bildungsarbeit · Boheme · Buchladen · Lesbar · München · Pathos · Poet in Residence · archivarbeit · artists · autorenkollegen/Innen · bonvivant · dichtet und denket · die schöne seite des lebens · gelegenheitsprosa · lesearbeit

Danke Friederike Mayröcker !

November 7, 2009 · 1 Kommentar

Vier Jahre vor meiner Geburt geschrieben; heute nebst anderen Schätzen gefunden @100tagebücher

Dafür begleitet es mich heute Abend zu hard clubbing Lesung.

mayröcker
Danke Friederike Mayröcker. Kritik nach erfolgter Lektüre.

→ 1 KommentarKategorien: 100tagebücher · Bildungsarbeit · Buchladen · Clubbing · München · autorenkollegen/Innen · dichtet und denket · die schöne seite des lebens · in eigener sache · lesearbeit

mucbook – eintrag nr. 1

November 7, 2009 · 1 Kommentar

→ 1 KommentarKategorien: Drugs · Drugs and Rock and Roll · Kolumne · Lesbar · München · Pathos · Quote · Schreiben und Lesen · art · artists · autorenkollegen/Innen · blickwinkel · blogging · der beginn · die schöne seite des lebens · exkursiv · gelegenheitsprosa · in eigener sache · lesearbeit · media · mucbook · poem · schreibarbeit

gelegenheitsprosa – lolita is over

November 6, 2009 · Kommentar schreiben

Weil Du unruhig schläfst und nach dem Erwachen Traum und Wirklichkeit nicht voneinander zu trennen vermagst – Protokoll einer möglichen Nacht:

… Lolita, wie sie gedacht, als man von ihrer (falschen) Göttlichkeit das erste Mal las; Lolita, wie sie eines Tages tatsächlich vor Dir steht: in einem schwarz weißen Ringelshirt, der Lippenstift schon leicht verschmiert, alles Teil eines bis ins letzte Detail ausgearbeiteten Outfits – auch die Zigarette unverschämt zwischen ihre Lippen geklemmt. Wer weiß schon, was daran echt ist? Ihr Alter? Ihre Haare, fransig und ein Blick, der für gewöhnlich Jahre benötigt, bis er auf diese Weise passiert? Ein Blick von dem Du nicht weißt, wohin er dich führen wird. Bis Du die Falten im Augenwinkel bemerkst, die unter ihrer Schminke verborgen, ein kleines Stück Wahrheit in sich bergen.

… vom DJ-Pult aus gesehen erhält die Welt auf diesen 125 qm eine neue Bedeutung: das DJ-Pult, die Priesterkanzel unserer Zeit und egal, was Du Ihnen auch predigen wirst, sie werden es glauben, während sie sich hingeben. Dir, der Musik und ihrem Glauben. Dann wirst Du dort stehen, während halbgare Groupies einen Shot nach dem anderen  bringen, um mit Dir ihre heilige Messe zu zelebrieren, dir einen Arm um den Hals legen, einen verschämten Kuss auf deine Wange drücken; oder wenn ihr Mut halbgar erwachsen, eine Hand an deinen Hintern gelegt, dir ihre Zunge tief in den Hals schieben. Du lässt es geschehen;  da auch alten Götter wussten, dass man Opfergaben nicht ablehnt, wenn der Glauben der Menschenkinder unerschütterlich gehalten werden will. Lolita, wie sie die vier Stufen nach oben, die Klapptür ins Allerheiligste aufstößt und dir um den Hals fällt, gut sichtbar für all jene, die nicht an ihrem Platz sein können, während Du daran denkst, in etwa einer Minute und zwanzig Sekunden den nächsten Song zu spielen; bleiben ihr siebzig Sekunden, in denen sie an Deiner Seite für ihre Unvergesslichkeit sorgen kann.

you are, what you drink, motherfucker, sagt sie dann, als sie neben Dir an der Bar steht: Who the fuck, are you then? Zeit, die immer vergeht und Jahre, die einen nicht jünger werden lassen; kaschiert aber grandios daran gescheitert, weil irgendwann die Fähigkeit verloren geht, mit einer anderen Generation mitzuhalten.

- Cheers, Fucker!

- Nenn mich nicht Fucker. Ich könnte das als Einladung verstehen.

- Was?

- Noch einen?

- Natürlich.  Darum stehen wir doch hier, oder?

Sie will sehen, ob Du trinken kannst und Du willst sehen, wie weit sie gehen wird. Wie sie lacht, weil Du angewidert Dein Gesicht verziehst, Tequila trinkst Du nicht mehr, seit Du Dir damit den Magen verdorben hast.

- Trinken für Erwachsene, Fucker!

Sie, die sich die Zitronenscheibe zwischen ihre Lippen  klemmt, du weißt, dass Du nicht ablehnen wirst. Sie, die ihren Blick verschleiert und Du, der nicht nur in die Frucht beißt, sondern auch ein wenig in ihre Lippen. Sie, die nicht zurückweicht, sondern geduldig zulässt, dass du saugst, bis du den letzten Tropfen gekostet hast. Weil die Gier dich übermannt und sie, die sich Salz an ihre Lippen tupft, dich verschämt erst, hungrig dann küsst. Sie, die ihren Tequila kippt, um anschließend sofort in der Menge zu verschwinden. Du, der auf seine Kanzel zurückkehrt, der nächste Song ist nur für sie.

… für eine kurze Zeitspanne noch bist Du da, wo Du immer sein wolltest. Und dennoch schon auf dem Sprung, mit einem Bein bereits weit weg, träumst Du doch davon, eines Tages eine Familie zu haben und Kinder und jedes kleine Quantum Spießigkeit, das Deine andere Hälfte für undenkbar hält. Du sehnst dich nach einem geregelten Leben, während Du bis zum bitteren Morgen Deine Jugend festzuhalten versuchst. Dass es mehr als ein paar Stunden dauern wird, bis Du Dich wieder als Mensch fühlst, hat keine Bedeutung jetzt – nicht, wenn Du allein in deinem Bett liegst und Dich  fast, aber nur fast fragst, warum eigentlich?

… erwacht und ausgeträumt und ausgekatert.

Nur, am Ende gilt: If you go for it, you go for it.

→ Einen Kommentar schreibenKategorien: Boheme · Clubbing · Drugs and Rock and Roll · Funnygames · Genußsucht · Les Miserables · Party · Pathos · Schreiben und Lesen · Sex · bonvivant · frei zeit · gelegenheitsprosa · good old times. · health · lazy time · music · schreibarbeit · showtime